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Gesellschaft

Mein Silvester 2016 in Köln

Die türkischstämmige Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan erlebte die Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht hautnah mit. So hatte sie Deutschland noch nicht erlebt.

von Gloria-Theater, Köln (Gloria-Theater, Köln) [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons
von
Renan Demirkan
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Gesellschaft

Ich liebe den Jahreswechsel. Mehr noch – er ist mir heilig. Und meist verbringe ich diesen Tag wie in einem Paralleluniversum, abwesend und in Gedanken, wie in einem langen Gebet. Nehme meine Umgebung anders wahr als an anderen Tagen, bin zugewandter und weniger misstrauisch. Warum das so ist, weiß ich nicht. Aber ich habe das Gefühl, am letzten Tag des Jahres weht eine heilige Melancholie durch die Luft. Vielleicht war ich deshalb nicht gleich aufgeschreckt über die Ereignisse, die mir in der Silvesternacht begegneten.

Ich freute mich auf einen wunderbaren Multikultiabend im Kölner Gloria mit dem Funkhaus Europa. Meine Tochter hatte mich eingeladen. Und da das Wetter mir zu instabil erschien, bin ich an diesem Abend mit dem Zug gefahren. Eine sehr seltene Ausnahme, weil ich abends nicht durch Bahnhöfe gehen mag. Aber wie gesagt, an diesem Tag schien mir das machbar, weil es mein heiliger Tag war, an dem deshalb auch nichts Schlimmes passieren kann.

Also fuhr ich gegen 20.30 Uhr mit der S-Bahn zum Kölner Bahnhof. Ich stieg in den vorderen Teil des ersten, fast leeren Wagens ein. Zwei Zugbegleiter machten ihre Runde, und an der nächsten Haltestelle stieg ein ganz bezauberndes gemischtes Paar ein, sie Orientalin, er Afrikaner. Offensichtlich kannten sich die vier und fingen ein Gespräch an.

Kurze Zeit darauf lief eine junge Frau, die mit mir eingestiegen war, zu uns vor und beschwerte sich über zwei Männer, die sie bedrängen und belästigen…

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09.01.2016