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Politik

"Künstler müssen Zumutungen sein dürfen"

Für die Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist die Erinnerungskultur elementar - auch für die Identität der deutschen Gesellschaft.

By Olaf Kosinsky (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
von
Lothar Schröder
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Politik

Als sie im Dezember 2013 zur neuen Kulturstaatsministerin ernannt wurde, gab es wenig Zweifel an ihrer Kompetenz für dieses Amt: Monika Grütters (54), die Arzttochter aus Münster, ist in der Kulturszene seit Langem bekannt, gilt als pflichtbewusst. Vieles, was sie anpackt, findet Beachtung. Manches wird heftig diskutiert – wie die im vergangenen Jahr verabschiedete Novelle zum Kulturgutschutzgesetz. Es soll die Bundesrepublik davor bewahren, dass national wertvolles Kulturgut ins Ausland verkauft wird.

Welche Rolle spielt die Kultur und spielen die Autoren in Zeiten, in denen die Demokratie in vielen Ländern gefährdet scheint?

Es gibt in vielen Ländern eine beunruhigende Rückwärtsbewegung in nationalistische, autoritäre Strukturen. Wenn in der Türkei die Totenglocke der Demokratie läutet, hat das Auswirkungen weit über die Türkei hinaus. Gerade wir in Deutschland mit unserer Vergangenheit haben eine große Pflicht, verfolgten Autoren nicht nur dort zu helfen. Kunst und Künstler müssen Zumutungen sein dürfen, weil sie das kritische Korrektiv eines Gemeinwesens sind. Wenn sie diese Rolle nicht mehr spielen dürfen, verliert die Kunst ihren Wert.

Bekommt dadurch Ihr Amt auch eine außenpolitische Note?

Ja, unbedingt. Wir verteidigen europäische Werte. Aber wir sind damit natürlich nur dann glaubwürdig, wenn es keine Lippenbekenntnisse bleiben und wir bereit sind, für diese Überzeugungen auch nach innen…

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11.02.2017