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Kultur

Kiplings wundersame Welt der Tiere

Vor 150 Jahren wurde der britische Autor geboren. „Das Dschungelbuch“ – sein berühmtestes Werk – ist in neuer Übersetzung erschienen.

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von
Lothar Schröder
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Hätte es diese Neuübersetzung nicht gegeben, mit der uns der Klassiker in die Hände gespült wurde, wären wir wahrscheinlich bis zum Sankt Nimmerleinstag dem Glauben verfallen, das Dschungelbuch sei eine drollige Fabel. Eine Art Versuchs-mal-mit-Gemütlichkeit-Geschichte für Kleinkinder ab dreieinhalb Jahren. Welch ein Irrtum! Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ ist ein kluges, zivilisationskritisches Werk, und jeder Versuch, es zu verniedlichen, spricht im Grunde für unsere Abwehr, die Geschichte des Menschenwelpen Mogli wirklich ernstzunehmen.

Weil das Buch in vielerlei Hinsicht ein Dschungel ist und man sich ihm auf vielen Pfaden nähern kann, beginnen wir einfach beim Autor. Rudyard Kipling wird vor 150 Jahren in Bombay geboren, hinein in einen kolonialem Komfort. Eine Kindheitsidylle darf er unter Palmen leben.

Doch wie das Leben des Wolfsjungen zwischen der Freiheit des Dschungels und der engen Welt der Zivilisation steht, so muss auch Kipling Schattenseiten unserer Existenz kennenlernen: Mit fünf Jahren wird er 1871 nach England eingeschifft, damals ein üblicher Bildungsweg für junge, in Indien geborene Briten. Doch seine Gastfamilie entpuppt sich als Hort ausgemachter Sadisten. Der Junge wird schikaniert und geschlagen und zur Schule mit einem Schild geschickt, auf dem „Lügner“ steht. Das Trauma seiner Jugend macht das Dschungelbuch zwar nicht zur Autobiographie; doch es zu kennen, bereichert die Lektüre.

Kipling wird Journalist und…

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29.12.2015