Lesezeit 5 Min
Fernweh

Jenseits der bekannten Welt

Entweder war er vom Glück beseelt oder unfassbar wütend, als der Allmächtige die Antarktis schuf. So schön, so garstig, dieses Land, dieses Eis, dieses Nichts! Wem der Mond zu langweilig ist, dem sei ein Trip ins Südpolarmeer empfohlen.

Katiekk / shutterstock.com
von
Björn Lange
Lesezeit 5 Min
Fernweh

Drei Dinge braucht der Mensch, der an Bord eines Expeditionsschiffes geht, um ins ewige Eis zu gelangen: Geld, Gottvertrauen und gute Mittel gegen Seekrankheit. Die beiden letzteren sind unerlässlich für die Durchquerung der 815 Kilometer langen Drake-Passage von Ushuaia bis zu den nördlichsten Ausläufern der Antarktis. Zu viele Menschen haben in dieser oft grausam schäumenden Wasserstraße ihr Leben gelassen. Sie bildet eine natürliche Hürde, die jeder nehmen muss, der ins eisige Reich vordringen will. „It’s part of the game“, sagt der norwegische Kapitän Rune Andreassen, der das Schiff aus der Hurtigruten-Flotte hier schon mehr als einmal durch 18 Meter hohe Wellentürme gesteuert hat. Wir, die rund 220 Passagiere der MS Fram, haben Glück: Diesmal sind es nur sechs bis sieben Meter hohe Wellen. Ein paar Dinge fliegen durch die Kabine. Aber wer sich ordentlich betäubt und ins Bett legt, den erwartet Großartiges.

Nach etwa 36 Stunden Fahrt ist der erste Eisberg voraus, knapp zehn Stunden später endlich Land in Sicht – die südlichen Shetlandinseln. Kleine, aber sehr stabile „Polarcirkel“-Boote bringen jeweils acht Passagiere an Land der Halbmondinsel und in eine andere Welt. Wir sollen uns den mehreren Hundert Zügelpinguinen nicht weiter als fünf Meter nähern, aber die Tiere halten sich nicht daran. Einige neugierige Exemplare tapsen bis auf wenige Zentimeter an ihre Besucher heran, zupfen mit ihren Schnäbeln an einer Lasche oder einem Hosenbändchen und verlieren…

Jetzt weiterlesen für 0,41 €
23.04.2016