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Geschichte

Hitlers Staatsfeind Nr. 1

Der frühere Chefredakteur des „Spiegel“, Stefan Aust, hat die unglaubliche Lebensgeschichte eines wichtigen und heute fast vergessenen Journalisten ausgegraben: Konrad Heiden, der in den 1930er Jahren Hitler-Biographien schrieb.

Nachlass Konrad Heiden, Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons
von
Lothar Schröder
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Geschichte

BERLIN Hinterher sind alle immer schlauer. Und so lässt sich im Nachgang der Geschichte oft mühelos nachzeichnen, wie es zur Diktatur und Schreckensherrschaft Adolf Hitlers kommen konnte. Einer, der die finsteren Zeichen der Zeit aber früher als fast alle erkannte, war Konrad Heiden – Sohn einer jüdischen Mutter, Journalist und hellwacher Beobachter. „Es ist faszinierend, wie er aus der aktuellen Situation heraus etwas sehr treffend beschrieben hat, von dem er gar nicht wissen konnte, wie es ausgeht“, sagt Stefan Aust, einst Chefredakteur des „Spiegel“ und der „Welt“. Aust hat seinen heute so gut wie vergessenen „Kollegen Heiden“ wiederentdeckt und in fünfjähriger Arbeit dessen Leben und Werk aufgeschrieben.

Zunächst klingt vieles unglaublich, was Konrad Heiden so alles publiziert – vor allem aber: wie früh. Bereits im Dezember 1932 erscheint im Rowohlt-Verlag von ihm die „Geschichte des Nationalsozialismus“; wenig später folgt die „Geburt des Dritten Reichs“ und 1936 die erste Hitler-Biographie überhaupt. Und die wird ein Bestseller. Rund 80.000 Exemplare werden in Deutschland verkauft; zudem wird sie in mehrere Sprachen übersetzt.

Zu diesem Zeitpunkt hat Heiden das Weite gesucht. Natürlich steht er auf der Liste der Gestapo weit oben. Über die Schweiz gelangt er schließlich in die USA. Er wird dort zu einem geschätzten Auskunftgeber, und als er im November 1940 im Statler Hotel in Cleveland einen Vortrag hält, wird er angekündigt als…

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29.09.2016