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Gesellschaft

Frauen, weicht nicht zurück

So schockierend die gewalttätigen Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof auch sind – ein Grund für Frauen, ihr Verhalten künftig in der Öffentlichkeit zu ändern, sind sie nicht.

Heiko Kueverling / Shutterstock.com
von
Kirsten Bialdiga
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Gesellschaft

Wer die Schilderungen der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und Städten wie Hamburg oder Frankfurt verfolgt hat, den lassen sie nicht mehr los. Frauen berichten, wie sie von Horden von Männern bedrängt, begrapscht, beraubt wurden. Wie sie umzingelt, hin- und hergestoßen und teils eine halbe Stunde lang Todesangst litten, ohne dass ihnen jemand zu Hilfe kam. Ein Alptraum.

Dass Kölns neue Oberbürgermeisterin Henriette Reker in dieser Situation Verhaltenstipps gibt, wie sich Frauen zu verhalten haben, ist mehr als unglücklich. Ihr Ratschlag, Frauen sollten auf Großveranstaltungen zum Schutz vor Übergriffen eine Armlänge Abstand zu Fremden halten, kommt angesichts der geschilderten Ereignisse einer unangemessenen Verharmlosung der Lage gleich.

Wie verfehlt dieser Verhaltenskodex war, hat die parteilose Politikerin inzwischen offenbar auch selbst eingesehen. Sie habe lediglich auf die gezielte Nachfrage einer Journalistin hin das in Köln seit Jahren vorhandene Präventions- und Beratungsangebot hervorheben wollen, stellte Reker gestern klar. Zuvor hatte sie heftige Kritik in sozialen Netzwerken und aus den Reihen der Bundesregierung einstecken müssen.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter: „Von Verhaltenstipps für Frauen wie eine Armlänge halte ich rein gar nichts.“ Blogger und Ex-Piratenpartei-Politiker Christopher Lauer twitterte: „Mann so: Eigentlich wollte ich diese Frau ausrauben und belästigen, aber Mist! Sie ist eine…

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07.01.2016