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Politik

Frankreich – ein Land zerlegt sich

Deutschlands wichtigster Partner in Europa droht an seiner Reformunfähigkeit zu zerbrechen. Dabei haben viele Franzosen längst eingesehen, dass sich ihr Land modernisieren muss. Aber dafür bleibt nicht mehr viel Zeit.

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von
Matthias Beermann
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DÜSSELDORF Ist das nun Wirklichkeitsverweigerung? Wählerverdummung? Oder einfach nur zynisch? „Frankreich geht es besser“, behauptet Staatspräsident François Hollande. Und sein Premierminister Manuel Valls will bemerkt haben, dass die stolze Nation dabei sei, „ihr Haupt wieder zu heben“.

Worte, die nicht passen zur Wahrnehmung der Franzosen. Ihre Heimat wird in diesen Tagen erschüttert von Protesten und gelähmt durch Streiks. In den Straßen vieler Städte brennen Autoreifen und wabern Tränengasschwaden. Randalierer verwüsten Geschäfte, zünden Autos an und prügeln Polizisten krankenhausreif. Das Klima in der Regierung ist derweil vollkommen vergiftet, die sozialistische Partei von Hollande ist kurz vor der Spaltung. Knapp drei Wochen vor Beginn der Fußball-EM steht Frankreich politisch am Rande des Abgrunds. Und in den Talkshows orakeln sie schon, ob Frankreich mal wieder eine Revolution droht, weil das Land unfähig ist, selbst eine Minireform hinzubekommen.

Die derzeitigen Proteste richten sich gegen ein geplantes Arbeitsmarktgesetz. Angekündigt wurde es als großer Wurf, der endlich etwas bewirken sollte gegen Frankreichs Arbeitslosenquote, die hartnäckig bei zehn Prozent liegt und damit mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Unternehmen sollten mehr Flexibilität erhalten, um mehr Jobs schaffen zu können. Betriebsbedingte Kündigungen, die heute häufig nur mit horrenden Abfindungen möglich sind, sollten erleichtert werden, um die…

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23.05.2016