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Politik

Frankreich blockiert

Der Streik der Gewerkschaft CGT führt im ganzen Land zum Ausnahmezustand. Die Regierung in Paris will im Streit um das neue Arbeitsrecht nicht nachgeben – auch wenn die Proteste bis zur EM dauern könnten.

Guillaume Louyot Onickz Artworks / Shutterstock.com
von
Christine Longin
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PARIS Frankreichs Autofahrer starren seit Tagen auf eine Landkarte mit vielen orangen Punkten. Sie zeigen all die Tankstellen, an denen es kein Benzin mehr gibt – mehr als 3000 waren es am Mittwoch. „Ich bin heute früh um fünf Uhr aufgebrochen und habe fünf Tankstellen abgeklappert, bevor ich zufällig auf diese hier stieß“, sagte ein Autofahrer an der Pariser Porte de Saint-Cloud im Fernsehen. Dort gab es noch Benzin, während andere Stationen im Großraum Paris bereits Zettel aufgehängt hatten mit dem handschriftlichen Hinweis „Rupture de stock“ – Bestände aufgebraucht.

Verantwortlich für die Benzinknappheit, die laut Regierung ein Fünftel der Tankstellen betrifft, ist ein Streik der den Kommunisten nahestehenden Gewerkschaft CGT. Sie blockiert sowohl die Treibstoffdepots als auch sechs der acht Raffinerien des Landes. Hinter Holzbarrikaden verschanzen sich die Gewerkschafter in ihrer rot-weißen Kluft, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. „Wir sind bereit, bis zum Letzten zu gehen für eine Rücknahme des Arbeitsrechts“, kündigte CGT-Chef Philippe Martinez kämpferisch an.

Ebenso kämpferisch ist sein Gegenspieler Manuel Valls auf der Regierungsseite. „Es reicht“, schleuderte der Premierminister dem Gewerkschaftschef entgegen, nachdem die Polizei am Dienstag die Blockade einer ersten Raffinerie aufgelöst hatte. „Ein frontaler Konflikt ist altertümlich und konservativ“, kritisierte der Sozialist, der das Arbeitsgesetz als Zeichen…

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26.05.2016