Lesezeit 6 Min
Politik

„Es tut mir weh, die Kanzlerin auf Knien rutschen zu sehen“

Cem Özdemir im Interview

By Superbass - Own work,

DÜSSELDORF Grünen-Chef Cem Özdemir war 1994 der erste Bundestagsabgeordnete mit türkischen Wurzeln – und schwäbischen dazu. Zum Gespräch in unserer Redaktion erscheint er ganz ohne Entourage.

Herr Özdemir, in zwei Bundesländern regieren die Grünen mit der CDU. Wie stehen Sie zu einer Koalition mit der Union im Bund – einer Partei, für die der Islam nicht zu Deutschland gehört?

ÖZDEMIR Für Koalitionen braucht man Gemeinsamkeiten – bei dieser Frage gibt es offensichtlich keine. Diese Debatte, die der Unionsfraktionschef Kauder angestoßen hat, ist von gestern und eine Beruhigungspille für seinen rechten Parteiflügel.

Ist die CSU das größte Hindernis für eine schwarz-grüne Koalition?

ÖZDEMIR Die CSU macht eine solche Koalition für uns nicht attraktiver. Aber Hürden gibt es auf allen Seiten. Schauen Sie sich an, wie die Linken und die SPD zueinander stehen. In der Islam-Debatte vertreten wir aber eine ganz eindeutige Haltung: Ein möglicher Koalitionspartner der Grünen muss klar zur Religionsfreiheit stehen.

Wie weit geht die Religionsfreiheit? Müssen wir uns an tiefverschleierte Frauen im Straßenbild gewöhnen?

ÖZDEMIR Das Kopftuch, wie es etwa traditionell in der Türkei auf dem Land getragen wird, hat nicht per se eine religiöse Bedeutung. Etwas anderes sind Burka oder Nikab…

Jetzt weiterlesen für 0,42 €
21.05.2016