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Kultur

Die unterschlagenen Anfänge von Kraftwerk

Über ihre ersten Alben breitet die Gruppe den Mantel des Schweigens. Dabei entfalten sie bereits die Mensch-Maschine-Ästhetik.

By Professor Andy Miah from Liverpool, UK (Kraftwerk, Manchester International Festival 2009) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
von
Philipp Holstein
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Düsseldorf Jetzt veröffentlichen sie ihren Katalog noch einmal, gewissermaßen die historisch-kritische Ausgabe ihres Werks. Acht Platten sind in der neuen Box enthalten, von „Autobahn“ (1974) bis „Tour de France Soundtracks“ (2003). Wer sich mit Kraftwerk ein bisschen näher beschäftigt hat, weiß indes, dass da ja noch drei weitere Platten sind, sie erschienen zwischen 1970 und 1973, allerdings tun die Musiker so, als gäbe es sie nicht. Als „Archäologie“ hat Florian Schneider diese Veröffentlichungen im Nachhinein abgetan. Einmal sagte er sogar: „Ich erinnere mich nicht.“ Die Alben erschienen denn auch nie offiziell als CD oder Download, man findet sie nur zu mitunter dreistelligen Preisen auf Plattenbörsen, sie wurden nicht neu aufgelegt, und das, obwohl sich die LP „Kraftwerk 1“ gut verkauft hat und Platz 30 der Charts erreichte.

Umso spannender ist es, unter den Mantel des Schweigens zu blicken. Man findet in dieser Werkphase nämlich bereits fast alles von dem, was das spätere Konzept Mensch-Maschine charakterisiert. Und man erkennt, woher Kraftwerk die Inspiration bezogen. Die Innenhülle des ersten Albums etwa schmückt eine unbetitelte Arbeit der Fotokünstler Bernd und Hilla Becher, sie zeigt einen Transformator, der auf Schienen steht.

Die Verbindung zu den Bechers ist besonders interessant, weil das Künstlerpaar im Jahr vor Erscheinen der ersten Kraftwerk-LP eine Ausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf hatte. Im Katalog zur Schau…

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22.05.2017