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Gesellschaft

Die große Verschwörung

Wir glauben, wir lebten in einer der aufgeklärtesten Gesellschaften. Irrtum: Viele im Land sind überzeugt, Opfer undurchschaubarer Mächte zu sein. Die Folge sind Wut und abgrundtiefes Misstrauen gegen Politik und Medien.

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von
Martin Bewerunge
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Gesellschaft

„Der Zweifel ist der Weisheit Anfang.“

René Descartes (1596 – 1650), Philosoph und Mathematiker

Fragen sind ein starker Antrieb. Wer zweifelt, kommt voran. Das gilt für den Einzelnen und erst recht für freie, aufgeklärte Gesellschaften. Wo kein Zweifel aufkommen darf, wo Diktatur oder Fundamentalismus ihn verbietet, herrscht Stillstand.

Aber der Zweifel hat zwei Seiten, und vielleicht heißt er ja auch deshalb so. Der Zweifel begegnet uns neuerdings weniger als Ausgangspunkt für neugieriges, ergebnisoffenes Infragestellen des Vertrauten. Als kritisches Suchen nach Antworten, das Menschen antreibt, seit sie sich ihres Verstandes bewusst geworden sind: Stimmt es, was wir sehen: die Erde – eine Scheibe, um die sich die Sonne dreht?

Häufiger kommt der der Zweifel in diesen Tagen als dunkler Geselle daher: als schlimmer Verdacht, als Verdächtigung gar, als Pseudoskepsis, kurz: als jener Zweifel, von dem Goethe sagt, dass er „Gutes böse macht“. Für solche, die an allem zweifeln, außer an sich selbst, steht das Ergebnis von Anfang an fest: Dass Menschen nie auf dem Mond waren, zählt zu den harmlosen Varianten. Dass die USA mittels Hochfrequenztechnologie Erdbeben oder Vulkanausbrüche erzeugen und Gedankenkontrolle ausüben, klingt…

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12.11.2015