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Politik

Die Furcht vor Veränderung

Unter AfD-Anhängern ist die Angst vor Veränderung besonders weit verbreitet. In Kombination mit der Sorge um den eigenen Status ergibt sich ein explosives Gefühlsgemisch. Oder anders: erst das Fressen, dann die Moral.

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von
Frank Vollmer
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Politik

DÜSSELDORF Was waren das für Zeiten, damals, 2015. Vor gerade mal zwölf Monaten diskutierte die Republik routiniert, was sie seit Jahren beschäftigte: Fracking, „Turbo-Abitur“, Euro-Krise. Der langerprobte und gut geölte Diskurs lief wie auf Schienen; selbst der drohende Grexit brachte die Massen nicht mehr recht in Wallung. Alles schon da gewesen, so oder ähnlich.

Dann kamen die Flüchtlinge. Und die Weltpolitik brach in die deutsche Behaglichkeit ein. Die bequeme Position, in der sich die Republik seit der Wiedervereinigung eingerichtet hatte – von allen gemocht oder zumindest respektiert, nach außen vornehm zurückhaltend, nach innen ohne fundamentale Herausforderungen –, ist unhaltbar geworden. Europa steckt in einer Krise, gegen die der Euro-Streit ein Damenkränzchen war; unsere Innenpolitik kennt kein anderes Thema mehr als die Flüchtlingskrise. Nicht einmal der Sturz der Kanzlerin scheint ausgeschlossen. Das Land ist gespalten in drei Fraktionen: „Wir schaffen das“, „Wir können nicht mehr“ und „Wir wollen das alles so nicht“. Diese dritte Fraktion wächst; die Landtagswahlen vom 13. März haben das gezeigt – einer gar nicht so kleinen Minderheit geht der Umbruch viel zu schnell. Wir erleben die neue deutsche Unbeweglichkeit.

Die Demoskopie liefert reichlich Belege für diesen Befund. „Alles in allem geht es Deutschland gut. Wäre es deshalb das Beste, wenn sich nichts ändert?“, fragte im Januar das Institut für Demoskopie Allensbach…

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21.03.2016