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Der Taktgeber

Toni Kroos ist die wichtigste Größe im Konzept von Bundestrainer Joachim Löw. Seine kühle vorpommersche Art wurde ihm früher oft als Arroganz ausgelegt. Heute sind die ganz Großen der Szene echte Fans des Stars von Real Madrid.

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von
Robert Peters
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EVIAN-LES-BAINS Vor knapp zwei Wochen soll sich Toni Kroos mal unheimlich gefreut haben. So heißt es aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen. Real Madrid hatte das Champions-League-Finale gewonnen, woran der deutsche Nationalspieler durchaus seinen Anteil hatte. Daraufhin soll es in der Kabine zu einem nahezu unkontrollierten Gefühlsausbruch gekommen sein. Mehrmals habe Kroos die rechte Hand zur Faust geballt, und mindestens zweimal muss er nach übereinstimmenden Meldungen ein kräftiges „Ja!“ ausgestoßen haben. Schwer vorstellbar bei einem, der selbst bei der Beschreibung der eigenen Abgeklärtheit kühl klingt wie ein Wissenschaftler. „Ich bin“, bekennt Toni Kroos, „kein enthusiastischer Typ.“

Das kann man wohl sagen. So cool wie der deutsche Mittelfeldspieler würde so mancher Rockstar gerne sein. Aber dafür gibt es keine Lehrgänge. Kroos bewahrt in sich die Ruhe seiner Landsleute in Vorpommern auf, wo es Gegenden gibt, in denen als Plaudertasche gilt, wer morgens mehr als die Tageszeit über die Lippen bekommt.

Der Greifswalder Kroos bringt dieses Temperament auf den Fußballplatz. Schwierige Situationen am Ball, hitzige Gegenspieler, lautstarkes Publikum, der vielzitierte Druck, der auf den bemitleidenswerten Berufsspielern gemeinhin lastet – für den Mann von Real Madrid sind das allenfalls Begleiterscheinungen des Daseins als Profisportler auf dem Platz. „Verunsichern kann mich eigentlich nichts“, sagt er. Und er schaut so…

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10.06.2016