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Gesellschaft

Der Staat muss wehrhafter werden

Die Anschläge in Paris sind eine Herausforderung an die Verteidigungsfähigkeit westlicher Demokratien. Unsere Demokratie muss ihre Wehrhaftigkeit wiederentdecken, fordert der frühere Verfassungsrichter Udo Di Fabio.

von Dontworry (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
von
Udo di Fabio
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Gesellschaft

Der Terror in Paris macht fassungslos. Die Logik des Bösen scheint zu triumphieren. Wie der 11. September 2001 ist auch der Massenmord vom 13. November 2015 ein Angriff auf den Westen. Ein Terrornetzwerk sieht sich in einem heiligen Krieg gegen eine bestimmte Kultur, Wirtschaftsform und Staatsordnung. Der Lebensstil des Westens ist liberal, ja libertär. Dass jeder nach seiner Façon selig werden solle – das stammt vom Preußenkönig aus der Zeit der Aufklärung. Friedrich II. setzte Toleranz auch gegen eine rücksichtslose Gesinnungsethik, die aus religiöser Heilsgewissheit ihre Maßstäbe gewann und so eine Quelle wurde für Bürgerkrieg und Elend. Aus dieser Erfahrung haben Europa und Amerika zur Toleranz gefunden, zum Gebot, den Anderen auch im Streit zu achten und nicht zu vernichten. Das ist der Kern westlicher Identität.

Die Opfer von Paris, das sind wir, das ist unsere Existenz und Lebensweise

Wie kann ein solches Modell Feinde haben? Der Westen steht auch für Egoismus, Kälte, den Verlust von Gemeinschaftsgrundlagen und von Lebenssinn. Das eigene politische System wird in Europa sensibel betrachtet, wenn es um innere und äußere Sicherheit ringt, während man eher großzügig ist, wenn die Bürger einer guten Sache wegen politisch bevormundet werden.…

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23.11.2015