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Politik

Der neue Charme von Jamaika

In Schleswig-Holstein zeichnet sich eine Koalition aus CDU, FDP und Grünen ab. In NRW gilt ein solches Jamaika-Bündnis als ausgeschlossen. Aber das stimmt gar nicht. In Wahrheit tun die Parteien nur so.

By Olaf Kosinsky / kosinsky.eu [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
von
Thomas Reisener
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Politik

Düsseldorf An der Förde stehen die Zeichen auf Jamaika. Nach dem überraschend deutlichen Gewinn der CDU bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein ist eine schwarz-gelb-grüne Koalition dort plötzlich das wahrscheinlichste Szenario: CDU-Spitzenmann Daniel Günther hat entsprechende Gespräche mit der FDP und den Grünen bereits angekündigt.

Nach etlichen Jamaika-Bündnissen auf kommunaler Ebene und einem schwarz-gelb-grünen Intermezzo im Saarland wird die exotische Parteien-Mischung langsam salonfähig. In fünf Tagen wählt NRW. Ist Jamaika auch im Düsseldorfer Landtag denkbar? Eine schwarz-gelb-grüne NRW-Regierung ist zwar ziemlich unwahrscheinlich. Aber anders als FDP und Grüne ihre Wähler glauben machen wollen, ist die Option in Düsseldorf noch lange nicht vom Tisch.

Den ganzen Wahlkampf über haben Grüne und Liberale sich wechselseitig als Staatsfeinde beschimpft. FDP-Chef Christian Lindner verglich die Schulpolitik der grünen Schulministerin und Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann mit einem „Blick in den Altglascontainer – nichts als ein grüner Scherbenhaufen“. Das Werk des grünen Umweltministers Johannes Remmel ist für Lindner „Remmel-Krempel“, der rückabgewickelt werden muss, weil er das Wachstum stranguliere. Wer als FDP-Spitzenpolitiker von seinen Stammwählern ernstgenommen werden will, kommt ohne solche Sprüche kaum aus – zumal Lindner die FDP im Herbst ja auch noch in den Bundestag zurückführen will.

Auch Grünen-Frontfrau…

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09.05.2016