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Gesellschaft

Der Herbst des Pontifikats

Vor über dreieinhalb Jahren wählten die Kardinäle Papst Franziskus zum Nachfolger des zurückgetretenen Benedikt XVI. Viele setzten in ihn die Hoffnung auf Reformen. Doch ein Neuanfang ist nicht in Sicht.

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von
Julius Müller-Meiningen
und
Lothar Schröder
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ROM/DÜSSELDORF Die Worte des Kardinals gingen beinahe unter. „Franziskus will, dass wir neue Wege gehen“, sagte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und emeritierte Bischof von Mainz, Karl Lehmann, vor einer Woche bei einer Podiumsdiskussion in Freiburg. „Manchmal muss man nicht erst darauf warten, bis sich der ganze große Tanker in Bewegung setzt“, fügte er hinzu. Der große Tanker – damit dürfte Lehmann die schwerfällige römische Kurie gemeint haben, das Kirchenschiff an sich oder den agilen Mann auf dem Stuhl Petri. Franziskus hat in den dreieinhalb Jahren an der Macht viel in Bewegung gesetzt. Wenn dann, wie jetzt, vorübergehend Ruhe einkehrt, kommt rasch die Frage auf: Hat der bald 80 Jahre alte Papst sich schon verausgabt?

Am kommenden Sonntag verschließt Franziskus die heilige Pforte im Petersdom, das „Jahr der Barmherzigkeit“ endet damit. Tags zuvor wird der Papst 17 neue Kardinäle ernennen, von denen 13 noch unter 80 Jahre alt sind und im nächsten Konklave wahlberechtigt wären. Die Kandidaten stammen aus aller Welt; sogar die Republik Zentralafrika, Mauritius oder Papua-Neuguinea haben künftig einen Purpurträger. Die künftigen Kardinäle stehen im Ruf, als Pastoren ein Ohr für die Anliegen der Gläubigen zu haben. Franziskus stellt damit die Stellschrauben für die Zukunft der katholischen Kirche, denn die insgesamt etwa 120 wahlberechtigten Kardinäle wählen schließlich eines Tages seinen Nachfolger.

Doch in…

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17.11.2016