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Der Diesel-Kontinent

In den Automobilnationen Westeuropas sind Diesel-Fahrzeuge beliebt. In den USA und Japan werden sie verschmäht – nach dem VW-Abgas-Skandal wohl erst recht. Warum wurde der Kraftstoff zur Glaubensfrage?

Robert Hoetink / Shutterstock.com
von
Matthias Beermann
und
Jan Drebes
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BERLIN/DÜSSELDORF Nirgendwo sonst auf dem Planeten ist der Anteil an dieselbetriebenen Fahrzeugen so hoch wie in Europa. Dreiviertel der rund zehn Millionen verkauften Diesel-Autos weltweit gingen 2014 an Kunden in der Europäischen Union. Der Anteil solcher Fahrzeuge bei den Neuzulassungen in den 15 wichtigsten EU-Ländern lag im vergangenen Jahr im Schnitt bei 53,6 Prozent, in Irland sogar bei 73 Prozent – Spitzenwert in der EU. Und in Deutschland hat sich 2014 fast jeder zweite Autokäufer für einen Diesel entschieden.

Doch was steckt hinter dem europäischen Boom selbstzündender Motorentechnik? Und warum gelingt den europäischen Diesel-Vorreitern der Durchbruch bisher nicht auf den Milliardenmärkten Japans und der USA?

Der Diesel-Aufstieg in Europa lässt sich besonders gut am Beispiel Frankreichs veranschaulichen. Zu Beginn der 80er Jahre lag dort der Marktanteil von Dieselfahrzeugen bei nur gut acht Prozent, heute sind es knapp 68 Prozent. Der Grund: Seit den 60er Jahren setzte Frankreich massiv auf billigen Nuklearstrom, der nach und nach auch die bis dahin üblichen Ölheizungen in den Haushalten verdrängte. Die französischen Raffinerien blieben auf dem Stoff sitzen, der im Grunde nichts anderes ist als Dieselöl. Um den Absatz zu fördern, drängte die französische Regierung den Autohersteller Peugeot dazu, massentaugliche Dieselmotoren auch für kleinere Pkw zu entwickeln. 1983 erhielt der damalige Peugeot-Chef Jacques Calvet von…

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23.12.2015