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Kultur

Bachs Nachfolger gesucht

Der Komponist Johann Sebastian Bach leitete von 1723 bis 1750 den berühmten Leipziger Thomanerchor. Seitdem hatte er 16 Erben in diesem ehrwürdigen Amt; der jüngste war Georg Christoph Biller. Für ihn sucht die Stadt Leipzig einen würdigen Nachfolger. Das gestaltet sich schwieriger als erwartet.

von Photo: Andreas Praefcke (Eigenes Werk (own photograph)) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons
von
Wolfram Goertz
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LEIPZIG Knabenchöre sieht man im Fernsehen ja meistens zur Advents- und Weihnachtszeit, wenn die Buben mit artigem Scheitel, spitzen Näschen und jener Form von Wonne, auf die Großmütter fliegen, einen Choral singen. Sie tragen einheitliche Anzüge, sehen zuweilen aus wie Matrosenkinder auf Landgang; die älteren Buben singen im Tenor und Bass, tragen dermatologisch relevante Zeichen der Pubertät im Gesicht (Pickel, flaumige Bärte) und geben dem Klang einen entscheidenden Aspekt von Männlichkeit.

Biller war fast 23 Jahre im Amt gewesen – es hatte ihn im Laufe der Zeit aufgefressen

Es gibt namhafte Knabenchöre, sie sitzen in Regensburg, Bad Tölz, Dresden, Stuttgart, Hannover, Basel. Der älteste ist der Aachener Domchor (gegründet 796). Die Wiener Sängerknaben singen nur in den Stimmlagen Sopran und Alt. Über allen aber thront der Leipziger Thomanerchor, der in der dortigen Thomaskirche singt und seit den Zeiten von Johann Sebastian Bach Ruhm und Ehre nach Sachsen holt.

Jetzt suchen sie in Leipzig Bachs 17. Nachfolger. Der war von 1723 bis 1750 in Amt und Würden. Das heißt statistisch, dass jeder Thomaskantor im Schnitt 16 Jahre bleibt. Das war natürlich nicht der Fall. Georg Christoph Biller, der jüngste Thomaskantor,…

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07.05.2016