Lesezeit 7 Min
Politik

„Afrika ist eine historische Aufgabe“

Der frühere Bundespräsident Horst Köhler über Heuchelei in Europa, ein Erasmus-Programm für Afrika und seinen Rücktritt als Staatsoberhaupt 2010.

By Roosewelt Pinheiro/ABr (Agência Brasil [1]) [CC BY 3.0 br], via Wikimedia Commons
von
Eva Quadbeck
und
Michael Bröcker
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Politik

Afrika liegt in Berlin-Mitte. Im Büro des Altbundespräsidenten an der Friedrichstraße stehen afrikanische Skulpturen auf dem Boden, an der Wand hängt ein Korbgeflecht, ein Geschenk des Präsidenten von Botswana. Afrika ist das Herzensthema von Horst Köhler.

Mit Afrika verbindet man immer noch Armut, Korruption, Epidemien. Warum geht es auf diesem Kontinent so langsam voran?

KÖHLER Unser Bild von Afrika sagt mehr über uns aus als über Afrika. Das ist ein riesiger Kontinent mit 54 Ländern und 1,2 Milliarden Bewohnern. Viele Länder haben soziale und wirtschaftliche Fortschritte gemacht, andere stagnieren. Bei so einem extrem vielfältigen Kontinent, noch dazu mit kolonialer Vergangenheit, kann man keine schnellen, linearen Entwicklungen erwarten. Ganz klar: Die Verantwortung für die Entwicklung Afrikas liegt in erster Linie bei den Afrikanern. Aber Afrika ist in einem Prozess der Selbstfindung, und dieser Prozess ist nicht frei von Widersprüchen. Ich bin überzeugt, dass der Kontinent ein gigantisches Potenzial für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand hat.

Was heißt das für Europa?

KÖHLER Wenn sich Afrika positiv entwickelt, profitiert Europa: Der Handel wächst, Arbeitsplätze entstehen, der Migrationsdruck geht zurück. Wenn der Kontinent aber im Chaos versinkt, dann wird das Europa riesige Probleme bereiten. Deshalb muss Afrika ein Kernthema…

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08.10.2016