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„Wir sollten Stress viel positiver sehen“

Es ist wichtig, immer wieder zur Ruhe zu kommen. Aber: Stress an sich ist nur schlecht, wenn man denkt, er sei schlecht, sagt Gesundheitspsychologin Kelly McGonigal. Und verrät auch gleich, wie man an ihm sogar wachsen kann

MARK BENNINGTON
von
Peggy van der Lee
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Stress ist Gift. Jahrelang verkündete auch Gesundheitspsychologin Kelly McGonigal diese Botschaft. Bis eine Studie ihren Blick auf Stress vollkommen neu ausrichtete – und sie mit ihrem TED-Vortrag „How to make stress your friend“ hohe Wellen schlug.

Was war so anders an den Ergebnissen dieser Studie?

Dass die Art und Weise, wie wir über Stress denken, beeinflusst, wie er sich auf unsere Gesundheit auswirkt. Die Gesundheitswissenschaftlerin Abiola Keller hat dazu 30 000 Erwachsenen in den USA folgende Fragen gestellt: „Wie viel Stress hatten Sie im vergangenen Jahr?“ und „Glauben Sie, dass Stress Ihrer Gesundheit schadet?“ Die Studie ging über acht Jahre – und am Ende stellte sich heraus, dass das Sterberisiko der am stärksten gestressten Personen um 43 Prozent höher lag als beim Rest.

Aber: Das galt nur für Menschen, die davon überzeugt waren, dass Stress gefährlich sei. Wer viel Stress hatte, diesen jedoch für ungefährlich hielt, gehörte sogar zu der Gruppe mit dem geringsten Sterberisiko – das sogar noch niedriger war als bei den Versuchspersonen mit dem geringsten Stress! Das war für mich ein Alarmsignal: Wir sollten Stress anders werten.

Man hat Sie sofort kritisiert: Sie würden suggerieren, man sei selbst schuld, wenn man am Stress stirbt. Man hätte eben positiver sein sollen.

Ich finde es beängstigend, dass viele Menschen meinen TED-Vortrag so interpretiert haben.…

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Nr. 3/2016