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„Wir können dem Körper beibringen, sich selbst zu heilen“

Würde man den Placeboeffekt mehr nutzen, bräuchten wir weniger Medikamente und Behandlungen, sagt Gesundheitspsychologin Andrea Evers. Das lohne sich doppelt: Die Kosten könnten gesenkt und wir selbstbestimmter gesund werden

CHANTAL ARIËNS
von
Peggy van der Lee
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Während manch chronisch kranker US-Amerikaner sein gesamtes Monatsgehalt für Medikamente ausgibt und sich Krankenhausdirektoren bei uns über die stetig steigenden Kosten von Behandlungen den Kopf zerbrechen, erzählt Andrea Evers, wie es auch mit weniger Geld gehen könnte. „Wir können unseren Körper viel mehr selbst machen lassen – wenn wir die Kraft psychologischer Faktoren wie Erwartung ernster nehmen.“

Die Professorin für Gesundheitspsychologie ist guter Dinge. Die Studie, die ihre Abteilung Gesundheits- und Neuropsychologie an der Universität Leiden durchführt, ist recht einzigartig in der Welt. Und war ihr seit Beginn ihrer Karriere stets ein Anliegen: um den Schlüssel dafür zu entdecken, wie psychologische Faktoren und Krankheitsprozesse zueinander im Verhältnis stehen. „Immer hieß es: Ach ja, psychologische Faktoren sind schön und gut, wenn man eine Depression behandeln will, aber für die körperliche Gesundheit bringen sie nicht viel. Dagegen habe ich mich immer gewehrt. Ich war mir sicher, dass wir in der Lage sind, auch unser physiologisches System psychologisch zu beeinflussen. Und das zeigt sich jetzt. Wir haben die Kraft der Psychologie nachgewiesen. Ich kann es gar nicht erwarten, diese Studie voranzutreiben und das Gesundheitssystem zu reformieren.“

Welche Möglichkeiten lassen wir denn im Gesundheitswesen noch ungenutzt?

Die, eine bestimmte Erwartung zu erzeugen. Mit Erwartungen lassen sich große körperliche…

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Nr. 3/2017