Lesezeit 10 Min
Wissen

So denken sie konstruktiv

Analysieren ist nützlich. Grübeln nicht. Aber wann geht das eine ins andere über – und wie schaltet man dann wieder zurück? Psychologe Reinoud de Jongh geht der Sache auf den Grund.

ERIC VAN DEN ELSEN
von
Reinoud de Jongh
Lesezeit 10 Min
Wissen

Angekommen auf dem Zeltplatz an einer Berghütte, in Gedanken schon beim kalten Bier, das ich gleich trinken werde, entrolle ich unser antikes Baumwollzelt. Ich nehme die Heringe und die Zeltstöcke… Moment mal – Zeltstöcke? Keine Zeltstöcke!

Schnell gehe ich die Optionen durch: nach Hause und die Stöcke holen? Viel zu weit. In der Berghütte schlafen? Wir wollten ja gerade zelten, um nicht in einem schwitzigen Raum mit anderen Kletterern übernachten zu müssen. Ein neues Zelt kaufen? Unmöglich. Warte, habe ich da hinten bei der Hütte nicht ein abgetakeltes Partyzelt liegen gesehen? Kann ich davon die Stöcke benutzen? Aber wie baue ich daraus die Konstruktion, an der das Innenzelt hängt? Mit den Seilen aus unserer Kletterausrüstung!

Als ich mir später unsere Urlaubsfotos anschaue, sehe ich mich triumphierend neben meinem clever zusammengebastelten Zelt, das wohlverdiente Bier in der Hand. Welch tolles Gefühl, durch Analysieren ein Problem gelöst zu haben!

Versessen aufs Nachdenken

Menschen unterscheiden sich jedoch in ihrem Bedürfnis danach, Wissen zu erlangen und über Dinge nachzudenken, und auch in der Befriedigung, die sie daraus ziehen. In der Psychologie ist das als Need for Cognition (NFC), Kognitionsbedürfnis, bekannt. Wer einen hohen NFC-Score hat, denkt gründlich nach und analysiert, findet oft Wege, Probleme zu lösen, und nutzt diese, um sich in irgendetwas zu verbessern.

Das gilt zum Beispiel für Menschen, die in…

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Nr. 1/2018