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Neun persönliche Fragen an François Lelord

Der französische Psychiater und Schriftsteller über die Lücke, die sein Vater hinterlassen hat, die Gemeinsamkeiten, die die Frauen in seinem Leben teilen, und seine beste Entscheidung überhaupt: ein Spontantrip nach Vietnam

By Wikimacher [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons
von
Sörre Wieck
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1 Was ist Ihr größter Schmerz?

Die Vorstellung, meiner kleinen Familie könnte etwas Schlimmes passieren. Mein Vater ist im vergangenen Jahr verstorben, und jeden Abend, zu der Zeit, als wir immer unser tägliches Gespräch über Skype hatten, vermisse ich ihn. Ich konnte mit ihm über alles reden, über das Leben, was wir lesen, unsere Familie oder die Nachrichten. Wir sind uns mit den Jahren immer näher gekommen, vor allem in der Phase, als wir beide schon Teil der „älteren Generation“ waren, wenn auch an ihrem jeweils entgegengesetzten Rand.

Ich habe schon in der Vergangenheit liebe Menschen verloren, aber mit dem Alter reagiert man empfindlicher auf Verluste, weil dieses „Nie wieder“- Gefühl stärker ist. Wenn man jünger ist, spürt man – auch wenn es vielleicht im Moment der Trauer verwirrend ist –, dass man noch das ganze Leben hat, um neue Bindungen zu knüpfen.

2 Was verunsichert Sie am meisten?

Mit zunehmendem Alter und mehr Erfahrung fühlt man sich weniger unsicher. Wenn man Glück hat, bleibt man in seiner Komfortzone – da sind die eigenen Schwächen unsichtbar. Als ich jünger war, fühlte ich mich unsicher, wenn ich Dinge tun sollte, auf die ich nicht gut vorbereitet war, zum Beispiel auf die Arbeit – in meinem Fall: in der Notaufnahme auf Abruf zu stehen. Damals war ich Assistenzarzt und noch in der Ausbildung. Natürlich konnte ich mich auf die Hilfe der erfahrenen Ärzte verlassen, aber da sie…

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Nr. 3/2018