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Wissen

Mit Spaß alt werden - wie geht das?

Ein langes Leben wird immer wahrscheinlicher. Die Frage ist jedoch: Wie füllen wir diese zusätzlichen Jahre sinnvoll? Über die Kunst guten Alterns, in der man sich nicht früh genug üben kann

ERIC VAN DEN ELSEN
von
Anne Pek
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Auch wenn ich eine der Letzten war, ich wollte es eben langsam angehen lassen – und kaufte erst 2006 meine erste Digitalkamera. Fehler!, dachte ich fast sofort. Die Menge an Fotos, die ich nach nur wenigen Wochen in den Händen hielt, sie erschlug mich fast. Allein 100 eingefrorene Sekunden einer einzigen Kita-Aufführung! Die mir trotzdem das Gefühl gaben, den besten Moment immer verpasst zu haben. Daher bedeutete mir die Bilderflut, die unablässig aus der neuen Kamera strömte, um einiges weniger als die im Vergleich dazu überschaubaren Schnappschüsse, die schon in meinen Alben klebten. All diese schnell geschossenen Fotos, sie hatten etwas Austauschbares.

Ein ähnliches Gefühl überkam mich, als ich mich neulich durch die Buch-Neuerscheinungen wühlte und dabei auf etliche Titel zum Thema Altern stieß. Genauer: dazu, wie man es möglichst lange aufschiebt. Denn viele Autoren prophezeien genau das: dass wir sehr lange sehr jung bleiben können. Forscher wissen mittlerweile so viel über die Prozesse des Alterns, dass wir kurz vor einer Ära stehen, in der unser Verfall zumindest stark verlangsamt, vielleicht sogar rückgängig gemacht werden kann. Dass dies prinzipiell möglich sei, schlussfolgern manche Autoren aus Experimenten, die oft unterhaltsam, bisweilen aber auch ein wenig gruselig sind. So erwähnt der belgische Arzt Kris Verburgh in seinem – bisher nur auf niederländisch erschienenen – Buch über die Verzögerung von Altersprozessen auch Studien, in denen alte Ratten an junge genäht wurden, sodass sich ihre beiden Blutkreisläufe vereinigten.

Das Ergebnis: frankensteinmäßige Monster, hurra! Durch die Zufuhr des jungen Blutes wurden die alten Ratten tatsächlich messbar jünger. Wer das für keine gute Idee hält: Der Wissenschaftsjournalist Bill Gifford meldet in Jung bleiben!, dass es zur Lebensverlängerung nicht mehr notwendig zu sein scheint, mit jugendlicheren Artgenossen zu verschmelzen. Laut jüngster Studien hat das regelmäßige Verabreichen „jungen“ Blutplasmas wohl denselben Effekt; vermutlich, weil darin ein Stoff enthalten ist, der die Zellerneuerung stimuliert. Mit etwas Glück können sich also die Vermögenden unter uns in Kürze mit einer täglichen Bluttransfusion „frisch machen“.…

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Nr. 2/2017