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„Lieben zu lernen ist eine lebenslange Aufgabe“

Wir erwarten viel, oft zu viel von der Liebe – gehen aber zugleich ganz schön nachlässig mit ihr um. Etwas, das Beziehungstherapeutin Sue Johnson sehr aufregen kann: „Als wäre das Auseinanderbrechen von Beziehungen normal!“

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von
Janneke Gieles
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Heute zählt Sue Johnson zu den wichtigsten Beziehungstherapeuten und Forschern der Welt. Dass sie vorher Schauspielerin war, merkt man sofort: Gestenreich und mit verschiedenen Stimmen imitiert sie die Gespräche in ihrer Praxis. In einem Moment ist sie eine Frau, die mit näselnder Stimme sagt: „Na ja, alle bei mir in der Straße sagen, dass es nun mal so läuft – nach sechs Jahren Ehe und einem Kind fasst man sich nicht mehr an …“ Dann wieder imitiert sie einen eifersüchtigen Mann, der mit der Faust auf den Tisch schlägt: „Ich will wissen, warum! Warum hast du damals …“

Sie haben in Ihrem Leben schon vieles gemacht – englische Literatur studiert, als Schauspielerin und mit Jugendlichen gearbeitet. Wie sind Sie Beziehungstherapeutin geworden?

Sowohl im Literaturstudium als auch beim Schauspiel haben mich Persönlichkeiten gefesselt. Weil ich mit meinen roten Haaren aber immer die Rolle der Schlampe bekam, wurde ich das Schauspiel irgendwann leid. Danach habe ich mit Jugendlichen gearbeitet. Das war faszinierend, die meisten von ihnen hatten ein ganz fürchterliches Leben und mussten allerlei Traumata verarbeiten; aber es war großartig zu lernen, mit ihnen umzugehen.

Weil ich mehr Hintergrundwissen haben wollte, begann ich, Psychologie zu studieren. Ich fand alles interessant, Gruppentherapie, individuelle Therapie. Aber der Moment, in dem ich ein Zimmer betrat, um mit einem Paar zu arbeiten – der war magisch. Ich konnte…

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Nr. 1/2017