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Wissen

Ich sein

Zu Hause verhalten wir uns anders als im Büro, unter Freunden nicht so wie im Familienkreis – das ist jedem klar. Hat man aber in seinem Leben nur noch das Gefühl, fremde Rollen zu spielen, kostet das viel Energie. So finden Sie Ihre eigene Stimme wieder

ERIC VAN DEN ELSEN
von
Janneke Gieles
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Wie authentisch sind sie?

Menschen, die „sich selbst verloren haben“: In seiner Praxis begegnet ihnen Psychologe und Psychotherapeut Rogier Poels regelmäßig. Da war der Mann, der einen guten Job im Finanzsektor hatte, aber immer stärker spürte, dass er – anders als die Kollegen – eben kein „Affe auf dem Felsen“ ist und sich dort eigentlich gar nicht wohl fühlte. Das Mädchen, das Angst bekam, wenn jemand sie nach ihrer Meinung fragte: Was wird von ihr erwartet, wie lautet die richtige Antwort? Oder der Junge, der zum Beruf machen wollte, was ihm den meisten Applaus einbrachte: zeichnen. Bis er es immer widerwilliger tat, irgendwann gar nichts mehr zu Papier brachte und in einer Therapie entdeckte, dass ein anderes Studium ihn viel glücklicher machte. Kurz: Wir fühlen uns besser, wenn wir „wir selbst“ sind. So zu tun, als fänden wir etwas großartig, während es uns eigentlich kaltlässt, kostet genauso viel Energie wie der Versuch, zu einer Gruppe zu gehören, die nicht wirklich zu uns passt. Ein Problem, das gerade Stewardessen gut kennen, die den lieben langen Tag lang ruhig, freundlich und hilfsbereit sein müssen – auch wenn Passagiere sich danebenbenehmen oder der Freund gerade Schluss gemacht hat. Aus Studien geht hervor, welche Konsequenzen das haben kann: Je stärker Arbeitnehmer ihre negativen Gefühle unterdrücken müssen, um gute Miene zum bösen Spiel zu machen, desto höher ist ihr Risiko, ein Burn-out zu bekommen, Ängste und psychosomatische Beschwerden.

Vier Fähigkeiten

Obwohl der Spruch „Sei du selbst“ schon ewig in Mode ist, hat erst in den vergangenen Jahren…

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Nr. 1/2017