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Hausgemacht: Narzissten im Miniformat

Übermäßig viel Applaus führt zu Selbstverliebtheit bei Kindern, belegen aktuelle Studien. Trotzdem kommt kein Kind ohne Anerkennung aus. Ja, wie lobt man den Nachwuchs denn nun richtig?

Pezibear / pixabay.com
von
Anne Elzinga
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Letztens im Supermarkt, in einer Riesenschlange vor der Kasse: ein kleiner Junge, der die Einkäufe aufs Kassenband legt und alle Aufschriften Silbe für Silbe buchstabiert. Während seine Mutter – „Supertoll!“ und „Dass du das schon kannst, du bist doch erst vier!“ rufend – stolz zu den Wartenden hinter sich schaut. Die ihrerseits inständig hoffen, dass im Einkaufskorb keine Beste-Wahl-Eieraus-Freilandhaltung liegen …

Das Lob der Mutter scheint direkt aus einem der gut gemeinten Wie-werden-wir-tolle-Eltern-Blogs zu stammen, die gern mal an die 100 Superkomplimente an den Nachwuchs auflisten, von „Du bist fantastisch“ über „Du siehst so gut aus“ bis „Die cleverste Person, die ich kenne, bist du“. Mit dem verständlichen Erziehungsgedanken dahinter, dass es für das Selbstvertrauen von Kindern gut sei, sie ausgiebig zu loben.

Hysterisches Feedback

Natürlich sei es wichtig für Kinder, sich geschätzt und geliebt zu fühlen, sagt auch Eddie Brummelman, Entwicklungspsychologe an der Universiteit van Amsterdam und Experte für die Entwicklung des kindlichen Selbstbildes. Aber viele Eltern übertreiben es mit dem Lob – ob durch „Du bist ein Superheld“-Plakate im Kinderzimmer, wiederholtes Beklatschen auch der selbstverständlichsten Leistungen (etwa das eigenständige Anziehen der Schuhe bei einem Fünfjährigen) oder anderes hysterisches Feedback.

Diese Eltern neigen dazu, ihre Kinder überzubewerten, fand Brummelman in einer seiner Studien heraus:…

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Nr. 3/2018