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Geschmacksfragen

Wir kosten nicht nur mit unserer Zunge: Ein blaues Steak lassen wir links liegen. Und teuren Wein mögen wir lieber als billigen, sogar wenn beide aus derselben Flasche stammen. Über fünf Faktoren, die uns beim Schmecken beeinflussen

ERIC VAN DEN ELSEN
von
Jeroen Thijssen
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1 Wie sieht das Lebensmittel aus?

„Das Auge isst mit“, sagt man nicht nur in Japan. Aber dort nimmt man dieses Sprichwort besonders ernst: Japanische Mütter machen aus dem „Pausenbrot“ für ihre Sprösslinge jeden Morgen ein „Kunstwerk“ – und brauchen dafür gut und gern eine Stunde. Das Ergebnis: Pandabärchen aus Reis und Seetang oder Brot-Bambis in der Frühstücksdose. Aber auch viele Mahlzeiten der Erwachsenen, so manches Sushi etwa, könnten glatt im Museum stehen.

Wie Nahrung aussieht, bestimmt eben, wie sie uns schmeckt. 2011 änderte Coca-Cola die Farbe seiner Dosen: Aus Rot wurde Weiß. Damit sollte eine Aktion des World Wide Fund For Nature für Eisbären unterstützt werden. Doch das Ergebnis überraschte den Fabrikanten: Cola-Konsumenten verschmähten die weißen Dosen. Manche wurden sogar wütend, sie betrachteten das Rot als Kulturgut. Andere klagten, die Cola aus der weißen Dose schmecke anders, obwohl an der Rezeptur nichts verändert worden war.

Wer jetzt lacht, sollte sich vorstellen, er bekäme im Restaurant ein grünes Steak vorgesetzt. Oder ein blaues. Bekannt ist auch, dass die Farbe des Lichts beeinflusst, wie attraktiv Nahrung wirkt. Rote Paprika etwa sieht unter blauem Licht bedeutend weniger appetitlich aus. Aus einer Studie der University of Arkansas ging auch hervor, dass Männer weniger essen, wenn ihre Mahlzeit blau angeleuchtet wird. Frauen aber löffeln interessanterweise ungerührt ihren blau beleuchteten Teller leer. Die…

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Nr. 6/2017