Lesezeit 11 Min
Wissen

Ein Garten für die Seele

Wer ausgebrannt ist, weiß, dass sich etwas ändern muss. Aber woher die Energie nehmen? Aus der Natur, raten Wissenschaftler. Der therapeutische Garten im schwedischen Alnarp schafft, was Therapeuten nicht immer gelingt: Er hilft, das innere Gleichgewicht wiederzufinden

Photo-Mix / pixabay.com
von
Peggy van der Lee
Lesezeit 11 Min
Wissen

Der Kies knirscht unter den Schuhen, als wir die Gartentür öffnen. Alte Eichen und ein Holzhaus in Schwedenrot begrüßen uns. Komm rein, scheinen sie zu sagen. Hier bist du richtig. Hier darfst du sein. Eine Biene summt. Über unseren Köpfen warten die Knospen einer riesigen Linde, sich zu Blättern zu entfalten. Irgendwo plätschert ein Bach. Willkommen im schwedischen Alnarp. Genauer: in seinem therapeutischen Garten.

Denn dieser Garten ist nicht einfach irgendein Garten. Er ist der vielleicht am häufigsten untersuchte und umgegrabene Garten der Welt. Und er hat wohl auch die meisten Tränen gesehen. Hunderte Menschen haben sich hier schon von Stress, Burn-out und Schlaganfällen erholt. In diesem Flecken Grün, das zur Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften SLU gehört. Scheunen und Schuppen dienen hier als Universitätsgebäude, Studierende und Lehrkräfte essen an langen Tischen unter jahrhundertealten Bäumen zu Mittag.

„Der Reha-Garten begann als lebendes Labor – um wissenschaftlich zu untersuchen, wie die Natur unsere Gesundheit beeinflusst“, erklärt Gründer Patrik Grahn bei einem Teller Cannelloni aus der Mensa. „Ich hatte ja keine Ahnung, dass ihre Wirkung so groß sein würde.“ Grahn ist Dozent für Landschaftsarchitektur an der SLU und verbrachte seine Jugend im grünen Nordschweden. Dort ging er täglich im Wald spazieren, fing Lachse in den Seen. Draußen in der Natur zu sein war für ihn wichtig – und auch selbstverständlich.

Als 1992 an der…

Jetzt weiterlesen für 0,49 €
Nr. 3/2017