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Die irrige Jagd nach dem Super-Ich

Wie werde ich erfolgreicher, gelassener, besser? Seit Jahren suchen wir Antworten darauf, in Selbstoptimierungsbüchern und Kompetenztrainings. Aber haben die uns wirklich glücklicher gemacht? Nein, meint ein dänischer Psychologieprofessor. Und auch andere Wissenschaftler machen kurzen Prozess mit unsinnigen Ratschlägen

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von
Anne Pek
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Trau dich zu werden, wer du sein willst. Verlasse deine Komfortzone, folge deiner Intuition, mach es jetzt. Das war die Botschaft von Lynne Rosen, Beraterin und Personal Life Coach aus New York. Sie hatte einen Youtube-Kanal mit Motivationsfilmen und moderierte mit ihrem Partner John Littig – ebenfalls Coach – einmal im Monat die Radiosendung The Pursuit of Happiness (Das Streben nach Glück). Folgender Satz tauchte darin ständig auf: „Versuche jeden Tag etwas zu tun, was dich Überwindung kostet.“

Im Sommer 2013 tat das Lebensberater-Paar etwas, was es wohl selbst sehr viel Überwindung gekostet hat: Es verübte gemeinsam Selbstmord. Weil Rosen das Leben nicht mehr ertrug, so ihr Abschiedsbrief, und Littig ihr Leiden nicht mehr mit ansehen konnte. Offensichtlich hatte ihr Glaube an die Kraft des positiven Denkens sie verlassen. Eine traurige Geschichte, die seither oft in Artikeln aufgegriffen wird, die vor Selbsthilfegurus und dem entsprechenden Hype warnen. In dieser Branche gebe es zu viele labile Typen, so der Tenor. Zudem würden zu viele Techniken empfohlen, deren Nutzen gar nicht bewiesen sei oder die schlichtweg nichts taugten. Ein Vorwurf, der auch durch die Forschung unterstützt wird.

Und trotzdem: Die Selbsthilfeindustrie ist nach wie vor ein blühendes Geschäft. In den USA werden mit Selbsthilferatgebern etwa 600 Millionen Dollar jährlich umgesetzt. Und ein Blick in unsere Bestsellerlisten zeigt, dass auch hier viele dieser Bücher Kassenschlager…

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Nr. 3/2018