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Autismus bei Frauen und warum er weniger auffällt

Sie haben einen Job, eine Familie, ein Sozialleben. Sind intelligente Frauen, die den sozialen Erwartungen entsprechen. Erst wenn sie wirklich nicht mehr können, zeigt sich oft, wie unglaublich viel Mühe der Alltag sie kostet

LUKE LIABLE
von
Dagmar van der Neut
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Ein Mensch, der freundlich und mitfühlend wirkt, verheiratet ist, drei Kinder hat und womöglich sogar einen sozialen Beruf wie Arzt oder Psychologe – das ist sicher keine Autist. Oder? Doch, es kann sich dabei um eine Frau mit Autismus handeln, sagt die klinische Psychologin und Autismus-Forscherin Els Blijd-Hoogewys. „Wir erwarten zwar einen sozial mehr oder weniger unbegabten Menschen, der von Technik fasziniert ist und sich nicht in andere hineinversetzen kann.“ Dieses Standardbild beruhe aber vor allem auf Studien mit Jungen und Männern. „Es ist eins, dem Mädchen und Frauen mit Autismus nicht direkt entsprechen.“ Autismus-Spektrum-Störungen kommen sowohl bei Menschen mit normaler Intelligenz als auch bei weniger Begabten vor. Unter Letzteren gibt es angeblich doppelt so viele Männer wie Frauen mit Autismus – und bei Menschen mit normaler oder hoher Intelligenz sind angeblich sogar acht- oder neunmal so viele Männer mit der Diagnose wie Frauen. Das aber sei laut Experten zweifelhaft, sagt Psychologin Annelies Spek, die das Autismuszentrum in Utrecht leitet. „Warum sollten unter intelligenten Menschen plötzlich viel weniger Frauen mit Autismus sein? Wir vermuten, dass es viel mehr kluge Autistinnen gibt als bisher angenommen.“ Denn: Bei Frauen kann sich Autismus auffällig anders äußern als bei Männern. Diese Frauen wirken eigentlich zu sozial, um autistisch zu sein. Fachleuten zufolge liege das an sozialem Kompensationsverhalten: Durch ihre Intelligenz wahren sie den…

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12.04.2017