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Politik

„Von dort geht eine Kriegsgefahr aus“

Die Spratly-Inseln sind nur einige Atolle, aber China und halb Südostasien wollen sie besitzen. Jetzt hat China eine Landebahn auf einer der Inseln gebaut. Der renommierte Seerechtsexperte Alexander Proelß über die brenzlige Situation im Südchinesischen Meer.

By Image Science and Analysis Laboratory, NASA-Johnson Space Center [Public domain], via Wikimedia Commons
von
Jan Keith
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Politik

mare: Eine drei Kilometer lange Landebahn mitten im Südchinesischen Meer – was hat China hier vor?

Alexander Proelß: Es geht um zwei verschiedene Inselgruppen, die von China und anderen Staaten beansprucht werden: die Spratly- und die Paracel-Inseln. Beide liegen im sogenannten Südchinesischen Meer, wobei bereits diese Benennung zu Unstimmigkeiten führt. Wenn Sie in Vietnam sind, dürfen Sie nicht von der „South China Sea“ sprechen, sondern nur von der „East Sea“. Man versucht also schon, mit Begriffen Politik zu machen.

Welche sind die anderen Staaten, die Anspruch auf die Inseln erheben?

Das sind Vietnam, die Philippinen, Brunei, Malaysia und Taiwan.

So viele Länder streiten sich um diese winzigen, atollartigen Inselchen. Warum bloß?

Derjenige Staat, der nachweisen kann, dass er die Souveränität über die betreffenden Inseln ausübt, kann maritime Ansprüche geltend machen. Das heißt: Er hat Zugriff auf in diesem Meeresgebiet möglicherweise lagernde Ressourcen. Es geht um Öl und Gas, aber auch um lebende Ressourcen, also die Fischerei. Denken Sie an den gewaltigen Ressourcenhunger der Chinesen. Es verwundert nicht, dass Peking in diesem Konflikt die treibende Kraft ist.

Geht es den Chinesen wirklich nur um Rohstoffe?

Einerseits ja. Andererseits wollen die Chinesen mit der Schaffung eines Außenpostens ihre Einflusssphäre…

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No. 113 - Dez. 2015/Jan. 2016