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Geschichte

Die patente Diva

Der Filmstar Hedy Lamarr war eine Göttin in Hollywood. Im Zweiten Weltkrieg hatte die „schönste Frau der Welt“ dann einen Einfall, der ihrer Zeit voraus war

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von
Karl J. Spurzem
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Geschichte

Die schönste Frau der Welt hatte einen Plan. Am Abend würde ihr Gatte sie wie jeden Abend aus dem goldenen Käfig holen und sie mit ein, zwei der kostbaren Juwelen aus seinem Tresor behängen. Aber heute würde der österreichische Faschist Fürst Starhemberg zum Diner kommen, und ihr Mann Fritz Mandl würde ihm nur zu gern möglichst viele Waffen aus seiner Waffenfabrik verkaufen. Also schlug die schönste Frau der Welt dem Gatten vor, dass er sie heute ausnahmsweise mit allen Juwelen behänge, damit der Chef der Heimwehr beeindruckt und zu einem großen Geschäft ermuntert würde. Ihr Auftritt war eine Sensation. Von den Fingern bis ins Haar – nichts als Kristall, weiß, rot, blau, grün, Smaragde, Rubine, Diamanten, sie musste so viel wie ein Maharadscha gewogen haben. Vor dem Dessert entschuldigte sie sich für einen Moment. Kopfweh. Sie kam nicht zurück. Am Morgen war sie auf einem Schiff nach Übersee, samt den Juwelen, ihrer Schönheit, ihrer Klugheit, ihrem Talent.

So nahm 1937 das zweite Leben der Hedwig Eva Maria Kiesler seinen Lauf. Ihr erstes hatte am 9. November 1913 in Wien als Tochter eines jüdischen Bankiers und einer Pianistin begonnen. Hedwig erhielt nach ihrer Schulzeit Schauspielunterricht bei Max Reinhardt und bald darauf erste Rollen. 1933 drehte sie mit dem tschechischen Regisseur Machaty einen Film, der aus einem Grund, und nur aus einem, Geschichte schrieb: In „Ekstase“, „psychologische Studie einer sexuell frustrierten jungen…

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No. 65 - Dezember 2007/Januar 2008