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Die Adelsfrage

Wurde „Earl Grey“, die in aller Welt beliebte Teemischung, im Bauch eines Schiffes zu ihrem Ruhm geschüttelt?

MAHATHIR MOHD YASIN / Shutterstock.com
von
Martina Wimmer
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Große Berühmtheiten nähren sich von den Mythen, die sie umranken. Es kommt nicht von ungefähr, dass das Wort „Legende“ zweierlei bezeichnen kann: eine Person oder Sache von erheblichem Bekanntheitsgrad sowie eine glorifizierende Erzählung, der nur manchmal ein Kern von Wahrheit innewohnt. Schwarzer Tee, verfeinert mit dem Öl der Bergamotte, einer Zwitterfrucht aus Zitronatzitrone und Bitterorange, ist weltweit als „Earl Grey“ bekannt und populär wie keine andere aromatisierte Teesorte.

Die schönste Geschichte, die man bei einer Tasse des vornehm parfümierten Getränks über dieses verbreiten kann, ist leider gleichzeitig die unwahrscheinlichste. Auf hoher See sollen die beiden Inhaltsstoffe sich erstmals begegnet sein, eine Zufallsbekanntschaft im Sturmwind. Irgendwo zwischen China und den Gestaden Großbritanniens habe sich auslaufendes Bergamottöl mit Teeballen vereint. Der namensgebende Charles Grey, 2. Earl Grey, soll die wilde Mischung probiert und für gut befunden haben.

In einer anderen Version hat der Graf, während er dem Vereinigten Königreich von 1830 bis 1834 als Premier diente, die aromatisierten Blätter als Dankgeschenk eines chinesischen Mandarins erhalten; ein britischer Gesandter soll den Sohn des Chinesen vor dem Ertrinken gerettet haben. Die Gabe aus Fernost wiederum habe den Premier so beglückt, dass er ein Londoner Teehaus bat, ihren Geschmack zu kopieren. Das jedenfalls ist die Geschichte, welche die Nachfahren…

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No. 119, Dezember 2016/Januar 2017