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Fernweh

Das Schloss, das übers Meer kam

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg setzt ein deutscher Artillerieoffizier eine Ritterburg in die menschenleere Savanne Namibias. Die Geschichte ihres Baus erzählt vor allem von weiten Seewegen und einer tollkühnen Liebe.

Matej Hudovernik/shutterstock.com
von
Zora del Buono
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Fernweh

Die äußeren Umstände hätten ungünstiger nicht sein können. Die Lage des Barons ist nicht nur lebensbedrohlich, sondern darüber hinaus auch noch unbequem. Eine mehrtägige Schiffsreise auf dem Atlantik unter dem Bett seiner Gattin liegend verbringen zu müssen ist für einen 42-jährigen, groß gewachsenen Mann kein Vergnügen, selbst wenn ihm der Whisky ins Versteck gereicht wird. Vor Southampton wird das Schiff obendrein von der britischen Kriegsmarine zum Ankern gezwungen und zwei Wochen lang nach feindlichen deutschen Offizieren durchkämmt. Doch Baron Hansheinrich von Wolf dürfte auch diese Situation mit einem gewissen Humor bewältigt haben, zumal er in seiner amerikanischen Ehefrau Jayta eine Gefährtin gefunden hatte, die mit ihm schon Abenteuerlicheres durchzustehen in der Lage war und zur Not ihr Negligé aufgehen ließ, um einen vor Verlegenheit glühenden britischen Leutnant aus der Kabine zu scheuchen.

Was von Wolf in diese missliche Situation mitten im Ersten Weltkrieg gebracht hat, waren die Zeitläufe und sein Hang zu exzentrischen Unternehmungen. 1904 erreicht die Nachricht des Aufstands der Herero gegen die Deutschen in Südwestafrika auch den 31-jährigen Hauptmann des sächsischen Artillerieregiments in Dresden. Von Wolf meldet sich als Freiwilliger zur sogenannten Schutztruppe, die, anders als in den restlichen deutschen Kolonien, nur aus Deutschen besteht und dazu dient, die Vorherrschaft in dem afrikanischen Land mit aller Gewalt zu…

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No. 73 - April/Mai 2009