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Fernweh

Das berührte Paradies

Die Everglades sind das größte subtropische Feuchtgebiet Nordamerikas, ein Teil davon steht als Nationalpark unter Schutz. Doch vom Menschen traktiert und bewahrt zugleich, gerät das fragile Ökosystem immer wieder aus dem Gleichgewicht. Die Leidensgeschichte einer Landschaft

By Wing-Chi Poon [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons
von
Zora del Buono
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Fernweh

Ein Naturerlebnis aus Geräuschen 

Nichts möchte man hier lieber tun, als eine Naturgeschichte zu erzählen. Eine Geschichte ganz ohne Menschen. Vor allem über die Geräusche gäbe es viel zu sagen, über das Zischen, Zirpen, Quaken und Grunzen, das nicht von Schweinen stammt, über das Singen, Schnattern und Krächzen, das abendliche in erster Linie, über das Sirren der Moskitos, das Surren der Libellen, über das Zähneklappern des Alligators, in dessen Maul der Sonnenbarsch zappelt, über den an hemmungsloses Niesen erinnernden Drohton des Truthahngeiers, über das leise Blubbern des Wassers, wenn eine Schildkröte gemächlich paddelnd die Oberfläche durchschneidet, oder das Platschen, wenn ein ­Alligator urplötzlich aus dem Moder schießt, über das Rauschen der Gräser im Abendwind und natürlich über den Flügelschlag der Ibisse und Braunpelikane, die über diese Landschaft ziehen, die eigentlich eine Prärie ist und kein Sumpf, eine während der meisten Zeit des Jahres überschwemmte Prärie. 

Manchmal könnte man sich einbilden, dass die Natur hier in einem ursprünglichen Zustand sei, denn die menschengemachten Geräusche, die diese Nation sonst so prägen, fehlen: Klimaanlagen und Generatoren, Kühlschränke und Eismaschinen, Polizeisirenen und Trucks, nichts von alledem ist zu hören. Und doch gibt es die Zeichen der Menschen. Was als Erstes auffällt: Wo kommen die schnurgeraden Kanäle her? Und sind das dort am Horizont winterlich unbelaubte...

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mare No. 107 - Dez. 2014/Jan. 2015