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Kultur

Rückkehr unter Vorbehalt

Jüdische Frauen berichten über ihre zögerliche Remigration nach Deutschland

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von
Ludger Joseph Heid
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Kultur

Unter einem etwas sperrigen Titel versammelt die Publizistin Andrea von Treuenfeld sechzehn Berichte von Frauen, die nach Emigration und Deportation aus höchst unterschiedlichen Gründen nach dem Holocaust wieder in das Land zurückkehrten, von dem ihre Verfolgung ihren Ausgang genommen hatte. In erster Linie lag es daran, in der neuen Heimat, aus welchen Gründen auch immer, nicht Fuß fassen zu können, gepaart mit der kulturellen Bindung an die erste Heimat, die deutsche Sprache. Eine der Remigrantinnen fasste das Rückkehrmotiv so zusammen: „Das waren alles a) Idealisten und b) Träumer und c) waren sie sehr deutsch. Deutsch bis auf die Knochen“.

Manche waren, als ihre Eltern sie mit auf die Flucht nahmen, noch zu klein, um daran eine Eigenerinnerung zu haben und doch haben die Rückkehrerinnen alle eines gemeinsam – ein jüdisches Schicksal, das sie für ihr ganzes Leben geprägt hat und dieses Ringen um die eigene Identität.

Ihre Kindheit haben die Protagonistinnen zumeist in wohlbehüteten Verhältnissen gelebt, fromm oder weniger fromm, assimiliert oder reformiert, in Stettin, Frankfurt, Wiesbaden oder sonst wo, die meisten stammen jedoch aus Berlin. Sie alle lebten in der Erwartung , dass ihr Leben in sicheren Bahnen in Deutschland verlaufen würde. Doch es kam anders: Von einem auf den anderen Tag wurden sie aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen, fanden sich mit einem Mal in einer völlig anderen Welt wieder, in Schanghai, in Südamerika, den USA oder in…

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Nr. 3/2016