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Fernweh

Reisetipp Odessa - eine ukrainisch-jüdische Perle am Schwarzen Meer

Von der ehemals drittgrößten jüdischen Gemeinde der Welt

Vdovichenko Denis / Shutterstock.com
von
Dmitri Stratievski
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Fernweh

Nur wenige Flugstunden (mit einem bequemen Umstieg zum Beispiel in Wien) oder knapp 1.800 km trennen Berlin von Odessa, der ukrainischen Millionenmetropole am Schwarzen Meer. Die Stadt bietet nicht nur lange Strände, mildes Klima, Architektur des Klassizismus und das gesellschaftliche Phänomen „Mythos Odessa“. Die Einheimischen nennen sie „Perle am Meer“. Angesichts der Geschichte Odessas wäre die Bezeichnung „jüdische Perle am Meer“ treffend.

In diesem September wird Odessa 222 Jahre jung. Die Stadt wurde per Erlass der Zarin Katharina der Großen in einer für das Russische Reich strategisch wichtigen, frisch eroberten Region gegründet. Gedacht als eine der Festungen im Süden im Kontext des russischen Machtanspruchs gegen die Osmanen, entwickelte sich Odessa zu einem für die damaligen russischen Verhältnisse einzigartigen Ort: weltoffen, ausländer- und minderheitenfreundlich, tolerant in Bezug auf verschiedene Religionen und Lebensstile. Wirtschaftlich gesehen, zog die Stadt viele Kaufleute und Zuzügler wie ein Magnet an, weil sie 1819-1858 neben dem wesentlich kleineren Feodosija auf der Krim als erste Freihandelszone Russlands fungierte, nach italienischer Art „porto franco“ (freier Hafen) genannt. In den Namen der Straßen Odessas spiegelt sich die Vielfalt des Stadtlebens aus dieser Zeit: Griechische, arnautische (damalige Bezeichnung für die Albaner), italienische, französische. Und eine Jüdische Straße.

Tatsächlich waren die Juden Mitbegründer der…

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Nr. 9/2016