Lesezeit 7 Min
Gesellschaft

Let my mirror go!

Ein philosophisches Selbstgespräch eines Vaterjuden

Vyaseleva Elena / shutterstock.com
von
David Serebrjanik
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Gesellschaft

„Ich fühl mich nicht zuhause, zuhause, zuhause...“

Georg Kreisler

Neulich habe ich einen krassen Fall von Diskriminierung erlebt. Mitten in Deutschland. Ich stand in dunklen Träumen vor dem Spiegel und plötzlich schrie mich mein Spiegelbild im akzentfreien Deutsch (wobei er meinen russischen Namen ebenfalls akzentfrei, das heißt mit schwerem deutschen Akzent aussprach) an: „Serebrjanik, raus nach Palästina!“

Ich war dermaßen geschockt, dass ich einen Schock bekam. Nichts verstehend stand ich da und sah mein Spiegelbild an. Als mir klar wurde, dass dieses gerade tatsächlich mit mir gesprochen, nein, mich diskriminierend beleidigt hat, fragte ich es mit leiser und heiserer Stimme:

„Ähm... Nach Palästina?“

„Jawohl “, brüllte das Ding mich an, „oder wie es sonst bei euch da unten heißt!“.

„Israel heißt es“, sagte ich sichtlich gereizt und wollte mich umdrehen und gehen, doch da schrie das Spiegelbild:

„Halt! Sofort stehen bleiben! Bleib stehen, oder ich schieße! Ich bin noch nicht fertig!“

„Du bist ziemlich fertig“, entgegnete ich, „und anscheinend geisteskrank auch noch dazu. Was willst du von mir?“

„Ich will, dass ich deine jüdische Fresse hier nicht mehr sehe“.

„Du bist…

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Nr. 1/2016