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Kultur

Dreckig, aber herzlich

Der jüdische Komiker Oliver Polak startet durch mit seiner neuen Late Night-Talkshow „Applaus und Raus!“

By 9EkieraM1 (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
von
Jerome Lombard
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Kultur

Der Gegenüber, mit dem man aus irgendwelchen Gründen ins Gespräch gekommen ist, er weist sich als echte Nervensäge. Schon nach kürzester Zeit labert er oder sie nur dummes Zeug. Erzählt in einer nicht zu überbietenden Schamlosigkeit ausschließlich von sich selber. Es ist grauenhaft! Jeder kennt diese Situationen. Sie sind nahezu alltäglich und gehören wohl oder übel zu den Schattenseiten des Lebens. Da muss man einfach durch. Man wurde ja schließlich gut erzogen und die Netiquette gebietet es nun mal nicht, aufzustehen und zu gehen, oder den menschgewordenen Abturner da vor sich einfach fortzuschicken. Oder etwa doch?

Man lasse folgendes Gedankenexperiment zu: In der Jackentasche, praktisch zur Hand, befindet sich ein knallroter Buzzerknopf. Einmal beherzt draufgehauen. Ein schrilles Piepsen! Und schwuppdiwupp muss der ätzende Gesprächspartner den Raum verlassen. Kein Lamento. Keine Diskussion. Hasta la vista. Was für den einen überaus verlockend, für den anderen ziemlich unhöflich und für alle mindestens ganz schön unrealistisch im alltäglichen Gebrauch klingen mag, ist im deutschen Fernsehen jetzt Realität geworden. Findet der Moderator seinen Talk-Show-Gast langweilig , buzzert er ihn kurzentschlossen raus. In der Hoffnung, der nächste möge doch bitte spannender sein. Hand aufs Herz, wie häufig hätten Sie genau das nicht schon mal von der Couch aus während einer der abendlichen Talk-Runden im öffentlich-rechtlichen TV gemacht? Anne Will, Sandra Maischberger…

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Nr. 12/2016