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Geschichte

Deutschlands einziger jüdischer Außenminister

Die Zerrissenheit deutscher Juden am Beispiel Walther Rathenaus

By Bain News Service [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons
von
Monty Aviel Ott
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Geschichte

Seitdem ich politisch bin, habe ich immer das Gefühl gehabt, dass es gewisse Sphären gibt, in die ich als Jude nicht vordringen kann, dass es Ämter gibt, die mir gegenüber verschlossen bleiben. Kann ein Jude Bundeskanzler werden? Könnte ein Jude als Spitzenkandidat einer deutschen Partei eine Mehrheit auf sich vereinen? Ein Jude als Mitglied des Regierungskabinetts wäre auch schon symbolisch. Das war es auch, als Walther Rathenau Außenminister wurde. Seine Ermordung war allerdings ebenso symbolträchtig.

In Österreich, wo große Teile der Bevölkerung ebenso willfährig die nationalsozialistische Mordmaschinerie mitgetragen hatten, konnte ein Jude Regierungschef werden. Sein Name war Bruno Kreisky und er war Mitglied der SPÖ. Kreisky hatte sich relativ früh vom Judentum abgewandt und bezeichnete sich nach seinem Austritt aus der jüdischen Gemeinde als Agnostiker. Für das Selbstbild eine tiefgreifende Entwicklung, aber auch für das Fremdbild?

Ich kann an dieser Stelle nur spekulieren, dass Kreisky von manchen, trotz seines Austritts, weiterhin mit dem Judentum identifiziert wurde. Ich sehe es allerdings schon als ein positives Zeichen für den Pluralismus eines Landes, wenn es auch Angehörige von Minderheiten schaffen, in hohe politische Ämter gewählt zu werden. Ähnlich könnte man nun auch über das Leben von Walther Rathenau spekulieren. Der Name Rathenau wird die meisten von uns nicht zwingend an Politik erinnern, sondern steht viel mehr mit einem großen…

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Nr. 10/2016