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Kultur

Das lehrhafte Chanukka-Fest

Bei Festen ist es immer ratsam zu fragen, warum wir sie feiern

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von
Rabbiner Elischa Portnoy
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Kultur

Wenn wir an das Chanukka-Fest denken, dann ist das Bild oft recht einfach: antike Griechen haben die Juden unterdrückt, Juden haben einen Aufstand gemacht, die Griechen besiegt und G‘tt hat für die heldenhaften Juden mit Öl ein Wunder gemacht. Deshalb feiern wir jetzt das schöne Lichter-Fest.

Wenn man jedoch die ganze Geschichte (die Gründe für die Unterdrückung und den Auslöser für den Aufstand) sorgfältig analysiert, kommen erstaunliche Erkenntnisse heraus, die uns ganz anders auf das Chanukka-Fest blicken lassen.

Fragen über Fragen

Die antiken Griechen waren bekanntlich Götzendiener und hatten viele Götter im Pantheon. Stellt sich die Frage, warum sie der jüdische G‘tt so störte, dass sie gegen die jüdische Religion vorgehen mussten? Ein Gott mehr, einer weniger – warum sollte das ein Problem sein? Umso weniger, da Alexander der Große, der Gründer des antiken griechischen Imperiums, laut unseren Weisen ein großer Bewunderer des Judentum gewesen ist.

Außerdem waren die Hellenisten nicht dafür bekannt die eigene Religion gewaltsam durchzusetzen. Ganz im Gegenteil: Sie gestatteten ihren Untertanen die Verehrung einheimischer Götter und die griechisch-makedonischen Vorstellungen von der Götterwelt trafen auf lokale orientalische Kulte, woraus sich jeweils spezifische wechselseitige Beeinflussungen ergaben.

Deshalb macht es wenig Sinn, dass die Besatzer nur in Israel antireligiöse Gesetze machten.

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Nr. 12/2016