Lesezeit 13 Min
Philosophie

Wo warst du?

Eifersucht kennt fast jeder. Sie macht ängstlich und nervös, manch einen gar rasend oder verrückt. Niemand möchte sie haben. Doch was steckt eigentlich dahinter? Ist die Eifersucht ein Wahn, oder hat sie auch Gründe?

hilmawan nurhatmadi / Shutterstock.com
von
Greta Lührs
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Philosophie

Haben Sie schon einmal heimlich das Handy Ihres Partners durchsucht oder nach einem Anruf argwöhnisch gefragt: »Wer war denn das?« Vielleicht haben Sie einmal ein unangenehmes Ziehen gespürt, wenn sich Ihr Partner einer anderen Person oder einem Bildschirm widmet, während Sie danebenstehen?

Falls ja, befinden Sie sich in guter Gesellschaft, denn fast jeder kennt die Eifersucht. Sobald sie in einem hochkommt, schämt man sich bereits für sie, denn sie gilt als höchst unschönes Gefühl. Sie kann so mächtig werden, dass Menschen in ihrem Namen spionieren, überwachen – oder sogar töten. Das »grünäugige Monster« (Shakespeare) ist der Stoff, aus dem die großen Dramen gemacht sind: Othello erdrosselt rasend vor Eifersucht seine Desdemona. Büchners Woyzeck ersticht die Frau, die er liebt, aus Wut und Kränkung über ihre Affäre. Sogar die Götter der griechischen Mythologie kennen Eifersucht und rächen sich brutal an ihren Nebenbuhlern.

»Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft«, sagt der Volksmund. Eifersüchtig zu sein wird heute mit überzogenem Besitzanspruch und geringem Selbstwertgefühl verbunden. Befürworter offener Beziehungen vertreten oft die These, Eifersucht würde durch das strenge Regelwerk der Monogamie hervorgerufen. Andererseits wird die Eifersucht mit dem Argument verteidigt, sie sei ein Produkt der Liebe. Schere man sich nicht um einen Menschen, sei man auch nicht eifersüchtig. Eifersucht ist mit Neid verwandt, und beide können miteinander einhergehen. Sie lassen sich aber durchaus voneinander unterscheiden. Wer neidisch ist, möchte etwas für sich haben, das ein anderer hat. Man beneidet zum Beispiel den Nachbarn um sein schickes Haus. Bei der Eifersucht hingegen…

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Nr. 1/2017