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Philosophie

»Qualität ist in Italien untrennbar mit humanistischen Werten verbunden.«

Ein Gespräch über Qualität – mit Giulio Iacchetti, der als Industriedesigner Objekte für Alessi, Moleskine und seine eigene Marke Internoitaliano entwirft  

miqu77 / Shutterstock.com
von
Rebekka Reinhard
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Philosophie

HOHE LUFT: Signore Iacchetti, was verstehen Sie unter Qualität?

GIULIO IACCHETTI: Qualität ist für mich ein dynamisches Konzept – ich denke dabei an einen stetigen Prozess zu dessen Steigerung. Was unseren Ansprüchen heute genügt, wird es morgen wahrscheinlich nicht mehr tun. Weil wir es sind, die sich verändern – vielleicht gaben wir uns früher mit einem niedrigen Qualitätsniveau zufrieden, aber dann vergleichen wir unsere Arbeit mit der unserer Kollegen, und das ändert unsere Wahrnehmung der Dinge merklich. Ich glaube, die Unzufriedenheit ist ein entscheidendes Element im Lebenslauf eines Designers. Nie vollkommen zufrieden zu sein mit dem, was man hergestellt hat: Eben daraus resultiert ein großer Stimulus, weiterzugehen, die Stufe der Herausforderung anzuheben.

Gibt es eine speziell italienische Design-Qualität? Und wenn ja, was unterscheidet sie etwa von der deutschen?

GIULIO IACCHETTI: »Made in China«, »Made in Germany«, »Made in Italy«: Es gibt weltweit nur drei Nationen, die Industrieprodukte mit klarem Wiedererkennungswert hervorbringen, mit denen sich eine einzigartige, exklusive Fantasie verbindet: Bei »Made in China« denkt man sofort an eine Massenproduktion mittlerer Qualität und an Qualitätsstandards, die mittelmäßigen Produktionskosten entsprechen …

... und bei »Made in Germany«?

GIULIO IACCHETTI: Früher brauchte bloß die deutsche Herkunft eines Produkts…

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Nr. 6/2015