Lesezeit 13 Min
Gesellschaft

Plötzlich Pop!

Das Streben nach Gleichberechtigung und gegen Sexismus ist in der Popkultur angekommen, die dies – natürlich sexy – inszeniert. Aber ist das noch Feminismus? Oder schafft dieser sich damit selber ab?

Subbotina Anna / Shutterstock.com
von
Greta Lührs
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Gesellschaft

Eine dunkle Frauensilhouette zeichnet sich vor einem leuchtenden Schriftzug ab. Das Wort »Feminist« strahlt in haushohen Buchstaben von der Bühne, und davor steht Beyoncé Knowles. Das ikonische Bild vom Auftritt der amerikanischen Sängerin bei den MTV Video Music Awards 2014 gilt derzeit als Schlüsselmoment für eine neue Form des Feminismus als Teil der Populärkultur.

»Popfeministinnen« wie Beyoncé und andere Künstlerinnen inszenieren sich als stark, selbstbestimmt und machen dies zum Teil ihrer Performance, die sich mit dem modernen Frausein auseinandersetzt. Damit stellen sie die Frage, was es heute bedeutet, Feministin zu sein, inmitten der Massenunterhaltung. Feministinnen sind alarmiert und fragen sich: Kann das gutgehen?

Sie kritisieren den »Mainstream«-Feminismus als konformistisch, marktorientiert, weichgespült und als Rückschritt für die jahrhundertealte Frauenbewegung. Doch was, wenn gerade in der Performativität des Pop eine Chance liegt, an den Geschlechterrollen zu rütteln?

Popfeminismus wird als Sammelbegriff für feministische Themen und Botschaften in der Populärkultur – also Massenkultur, im Gegensatz zu Hochkultur oder Subkultur – verwendet. Musik, Filme, Serien, Literatur und Kunst greifen zunehmend feministische Themen auf, und auch unter Kulturschaffenden steigt die Zahl der Frauen langsam, aber stetig an. Kleidung mit feministischen Slogans kann man heute bei Modeketten wie H&M kaufen, große Unternehmen werben damit, Frauen zu »ermächtigen«.

Nach einigen Jahren der Abwesenheit ist »Frauen-Power« wieder »in«. Frauenzeitschriften propagieren heute einen neuen »sexy Feminismus«. Hollywoodstars bezeichnen sich öffentlich als Feministen, seit das wieder als cool und glamourös durchgeht. Und auch Transgender,…

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Nr. 2/2017