Lesezeit 8 Min
Philosophie

Für immer verbunden

Die sozialen Medien sind längst nicht mehr allein Netzwerke der Lebenden. Auf Facebook etwa gibt es 30 Millionen Tote. Was aber bedeutet es, wenn wir Verstorbenen auf ihren Profilen zum Geburtstag gratulieren? Werden sie damit unsterblich?

Neil Thomas / unsplash.com
von
Denise du Rieux
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Philosophie

Ein junger australischer Soldat starb 2012 während eines Einsatzes seiner Spezialeinheit in Afghanistan. Auf Facebook kann man nun gemeinsam mit seinen Eltern und anderen Trauernden seiner gedenken. Auf der Seite steht zu lesen: »Diese Erinnerungsseite wurde eingerichtet für alle, die ihn kannten und liebten. Wir laden euch ein, eure Erinnerungen, Geschichten und Bilder zu teilen, um sein erstaunliches Leben respektvoll zu ehren.« Die Seite zeigt Fotos und Auszeichnungen, gemeinsame Erlebnisse werden geteilt. In manchen Fällen wird sogar er selbst angesprochen. Aber wer genau wird angesprochen? Verbleibt hier wirklich etwas von dem Toten, an das wir unsere Schreiben, unsere Danksagungen richten können? Aber was?

Auf Facebook allein gibt es heute 30 Millionen Tote. Obwohl die Menschen nicht mehr unter uns sind, leben viele ihrer digitalen Profile weiter. Fotos und Beiträge bleiben verfügbar, man kann auf der Pinnwand posten, Erinnerungen austauschen, den Verstorbenen zum Geburtstag gratulieren. Soziale Netzwerke wie Facebook oder virtuelle Friedhöfe und Erinnerungsportale scheinen den Toten eine Art des Verbleibs zu ermöglichen. Nicht als physisch materieller Mensch, aber als digitale Erinnerung, als »Geschichte«, die von den Gedenkenden weiter geformt werden kann.

Die Moderne hat den Tod individualisiert – und damit auch die Trauerkultur. Noch im 18. und 19. Jahrhundert waren Beerdigungen oft pompöse Zeremonien, die das Leben…

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Nr. 3/2017