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Philosophie

»Ethik ist wie Gärtnern«

Dieser Satz des britischen Philosophen Simon Blackburn bringt auf den Punkt, was er mit seinem »Quasi-Realismus« versucht: das Subjektive mit dem Rationalen zu verbinden, das eigene Gefühl mit moralischem Verhalten und dies wiederum sorgsam zu kultivieren. Ein Gespräch in Cambridge.

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von
Rebekka Reinhard
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Philosophie

Die Universität Cambridge besteht aus 31 unabhängigen Colleges; das größte und reichste darunter ist das 1546 von Heinrich VIII. gegründete Trinity College: die akademische Heimat von Simon Blackburn. Der 72-jährige Philosoph – Autor der »Essays in Quasi-Realism«, von »Think: A Compelling Introduction to Philosophy« und längst selbst eine Institution – empfängt uns im »Fellows’ Parlour«, einer Art Aufenthaltsraum mit typisch britischer Clubatmosphäre; inklusive distinguierter älterer Herren in Cord und Tweed, die Tee aus zarten Porzellantassen trinken und lautlos die ausliegenden Zeitungen studieren. Nach einer Führung durch die legendäre »Wren Library«, wo wir einen Blick auf die Erstausgabe von Isaac Newtons »Principia Mathematica« werfen dürfen, folgen wir Blackburn eine gefährlich steile Wendeltreppe hinauf in sein Büro. Dort dürfen wir mit ihm, der bis heute an der Universität Chapel Hill in North Carolina lehrt, in aller Ruhe über (Meta-)Ethik, philosophische Klarheit und die Frage sprechen, warum es falsch ist, zutrauliche Hunde zu treten. Zum Abschied bekommen wir sogar ein Geschenk mit auf den Weg: Blackburns neu aufgelegtes »Oxford Dictionary of Philosophy«.

HOHE LUFT: Herr Blackburn, stimmt es, dass Sie nicht streng zwischen Akademikern und Laienpublikum unterscheiden?

SIMON BLACKBURN: Ich mache da sehr wohl einen Unterschied – insofern, als ich Texte in akademischen Zeitschriften veröffentlicht habe, die man wohl kaum versteht, wenn man kein Profi-Philosoph ist. Ein Buch für ein breiteres Publikum würde ich anders schreiben. Aber ich bin sehr davon überzeugt, dass so gut wie jede Philosophie darunter leidet, zu kompliziert zu…

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Nr. 1/2017