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Philosophie

Ethik für Elektronen

Selbstfahrende Autos, eigenständig operierende Drohnen – je autonomer die Maschinen werden, desto mehr müssen wir die Konsequenz ihres Tuns bedenken. Schließlich muss jemand die Verantwortung tragen für die Taten der Technik.

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von
Tobias Hürter
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Philosophie

Es war einmal, vor langer Zeit, da waren Maschinen nichts als dumme, gefügige Diener der Menschen. Sie taten exakt, was ihnen befohlen wurde. Man drückte auf der Schreibmaschine die q-Taste mit der Gewissheit: Gleich steht ein neues q auf dem Papier. Wenn man heute auf einer Computertastatur das q drückt, erscheint vielleicht ein q auf dem Bildschirm. Vielleicht aber auch nicht, und der Computer verlässt stattdessen das Programm. Es mag wie ein unbedeutender Schritt erscheinen, aber die Richtung ist durchaus bedeutend. Unser Verhältnis zu den Maschinen wandelt sich. Die Maschinen nehmen unsere Anweisungen nicht mehr unreflektiert hin. Sie nehmen sie eher als Empfehlungen denn als Befehle.

Ein frühes Beispiel ist das Antiblockiersystem ABS beim Auto. Wer einst mit vollem Druck auf das Bremspedal stieg, blockierte unweigerlich die Bremse. Ein ABS deutet den Pedaldruck als Willensäußerung des Fahrers: »Bitte unverzüglich zum Stehen kommen!« Je fester, desto dringender. Doch die eigentliche Bremsung übernimmt das System selbst, unabhängig vom Pedaldruck.

So ein ABS ist schon kein ganz so dummer Diener mehr. Es denkt mit. Maschinen entwickeln sich zu unseren Partnern. Sie treffen eigenständig Entscheidungen. Damit kommt etwas Neues ins Spiel. Schreibmaschinen konnten nur funktionieren oder nicht. Entscheidungen hingegen können richtig oder falsch sein und gut oder schlecht. Wer Entscheidungen trifft, kann Fehler machen und muss…

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Nr. 1/2017