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Wirtschaft

Die Zeit der Helden ist vorbei

Gute Führung folgt einem bestimmten Plan und sorgt dafür, dass dieser erfolgreich umgesetzt wird. Wirklich? Die Zeiten haben sich geändert. In einer immer komplexeren Welt braucht es Chefs, die bereit sind, nicht nur ihre Ziele, sondern auch sich selbst infrage zu stellen.

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von
Thomas Vašek
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Stellen sie sich vor, ein Bergführer soll Sie auf einen Gipfel bringen, auf dem Sie nie zuvor waren. Natürlich gehen Sie davon aus, dass er den Weg kennt und um die möglichen Gefahren weiß. Also vertrauen Sie sich ihm an und folgen ihm. Eine Zeitlang geht alles gut. Doch dann zieht plötzlich ein Schneesturm auf, der Weg verliert sich, das Gelände wird unübersichtlich. Der Bergführer bleibt stehen und blickt ratlos um sich. Er weiß auch nicht mehr weiter, trotz all seiner Erfahrung. Dennoch werden Sie erwarten, dass er nicht tatenlos herumsteht, sondern Sie weiter sicher führt. Aber wie soll er das tun, wenn er selbst die Orientierung verloren hat?

In einer ähnlich paradoxen Situation befindet sich das Konzept von Führung in einer immer komplexeren, volatilen und unsicheren Welt. Von Führungskräften erwarten wir, dass sie uns den Weg weisen, dass sie einen Plan haben. Und zwar auch dann, wenn sie selbst nicht wissen, wie es weitergeht.

Schon der Begriff »Führung« ist gar nicht so leicht zu definieren. Das Wort »führen« bedeutet eigentlich »jemandem den Weg zeigen, indem man vorangeht«, es heißt aber auch »leiten« oder »etwas in Bewegung setzen«. Führung steht immer in Verbindung mit einem Ziel. Führen kann demnach immer nur derjenige, der das Ziel kennt und wenigstens eine Vorstellung davon hat, wie man dieses Ziel erreicht. Nennen wir das die »heroische« Idee von Führung: Der »Führer«, das ist einfach derjenige, der weiß oder zu wissen…

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Nr. 4/2016