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Philosophie

Die Ethik des Stils

Guter Stil ist mehr als eine Art, sich zu kleiden oder zu geben. Er ist eine Frage der Haltung. Es geht um Anstand, Respekt und Würde. Denn Stil hat nicht nur mit Geschmack zu tun, sondern auch mit Moral.

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von
Thomas Vašek
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Philosophie

Angenommen, ein Unternehmen kündigt einem langjährigen, verdienten Mitarbeiter, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen. Stellen wir uns zwei Szenarien vor: Im ersten gibt es ein ausführliches Gespräch, man dankt dem Mitarbeiter für die geleistete Arbeit und wünscht ihm alles Gute für die Zukunft; im zweiten Fall hingegen fordert man den Gekündigten im Befehlston auf, binnen einer Stunde das Büro zu räumen, zugleich werden schon mal Chipkarte und Mobiltelefon gesperrt. Kein Wort des Dankes, nichts. Im ersten Fall würden wir wohl meinen, das Unternehmen habe sich einigermaßen korrekt verhalten. Die Kündigung bleibt zwar eine Kündigung, aber immerhin hat man eine gewisse Form gewahrt. Der zweite Fall hingegen empört wohl die meisten von uns. Wir würden sagen: Das war ganz schlechter Stil.

Unter Stil verstehen wir zunächst eine äußere Form, eine Fassade, die wir unserem Leben geben. Wir sprechen von Kleidungs-, Arbeits- oder Lebensstilen so wie von verschiedenen Stilen in Kunst und Architektur. Etymologisch gesehen bedeutet der Begriff eine Eigenart des sprachlichen Ausdrucks, er geht zurück auf das lateinische Wort »stilus« (Griffel). Im heutigen Sprachgebrauch verwenden wir den Begriff einerseits auf deskriptive, also beschreibende Weise. Wir sagen, jemand habe einen bestimmten Stil, also etwa eine Art, sich zu kleiden. Oft hat der Begriff aber auch eine normative, wertende Komponente. Wenn wir sagen, jemand habe »Stil«, dann meinen wir...

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Nr. 4/2014